«Amazonas der Schweiz»

11.09.2024@23:10
Mitteldamm / Chris und Leo

Kleiner Kanal / Mitteldamm
Chris Müller und Leo Keller

Während es offen­bar mehr als einen «Grand Canyon der Schweiz» gibt (Creux du Van und dann natür­lich auch die Ruinaulta), so ist klar: Der «Ama­zonas der Schweiz», der sich während der letzten 100+ Jahre im Grenz­gebiet der Kantone SO und AG ent­lang der Aare ent­wickelt hat, ist vom Feeling her ein­malig in der Schweiz (ob­wohl natür­lich auch andere Land­schaften dieses Label für sich rekla­mieren, so z.B. der Aar­gauer Hoch­rhein zwischen Kaiser­stuhl und Kaiser­augst).

Schon im 19. Jahr­hundert wurde der erste (kleine) Kanal aus­ge­baggert, zu Mitteldamm Beginn des 20. Jahr­hunderts wurde dann der grosse (nörd­liche) Kanal aus­ge­baggert. So ent­stand zwischen den beiden Kanälen der sog. «Mittel­damm», um den seit Jahren ge­stritten wird.

Mitteldamm
Doppel­seite Sonntags­Blick (geeignet für grosse Bild­schirme)

Der regionale Energie­versorger Eniwa (mit Monopol in allen Haus­halten), der «weit­herum teuerste Anbieter» (Zitat AZ 14.06.2018), der in Buchs AG in einem 75-Millionen-Bau resi­diert wie eine Fortune 500 Company, will den Mittel­damm ratze­kahl ab­reissen und damit diesen wert­vollen Erholungs­raum für Aarau und Region unwider­bringlich zer­stören. Im Gegen­zug setzen sich ver­schiedene Gruppie­rungen ein für den Erhalt dieser ein­maligen Kanal­land­schaft, die zusam­men mit dem Wasser­kraft­werk Aarau als ISOS-1A-Objekt im Bundes­inven­tar der schützens­werten Orts­bilder der Schweiz von natio­naler Bedeu­tung (ISOS) ein­ge­tragen ist; ein Gut­achten der ENHK und der EDK bestä­tigt diesen Sach­verhalt.

Ich setze mich per­sön­lich ein für den Erhalt des Mittel­damms, einer­seits als Ein­wohner­rat in Aarau (die Stadt Aarau besitzt 95.4% der Eniwa Holding AG, kann also im Rahmen der Eigner­stra­te­gie sicher ein Wörtchen mit­reden bei der Stra­te­gie, die von der Eniwa verfolgt wird, auch wenn das gewisse Ver­wal­tungs­räte dieses Unter­nehmens der öffent­lichen Hand leicht anders sehen), anderer­seits als Mitglied des Vereins Rettet den Mittel­damm, der im Jahre 2019 gegründet wurde. Die Mitglieder kämpfen mit viel Herzblut für den Erhalt des Mitteldamms und der Kanalanlage (AZ 15.06.2019). Es ist übrigens nie zu spät, den Wert dieses einmaligen Erholungsraums zu erkennen und sich für den Erhalt des Mittel­damms ein­zu­setzen:

Ist es nicht offen­sicht­lich? Der Schutz intakter und öko­lo­gisch wert­voller Land­schaften ist weitaus ein­facher und auch öko­no­misch sinn­voller, als sie zu zer­stören und dann teure Ersatz- und Aus­gleichs­mass­nahmen um­zu­setzen. Im Gegen­satz zu den Be­haup­tungen der Eniwa ist der kleine (süd­liche) Kanal deut­lich wert­voller als der grosse (nörd­liche) Kanal (siehe z.B. den Fach­bericht Gewässer­öko­logie und Fische der aquatica GmbH).

Er­freu­lich ist, dass der Wider­stand aus der Bevöl­ke­rung gegen die absurden Pläne der Eniwa, den Mittel­damm für 3% bis 4% Strom­mehr­pro­duktion (ca. 4 GWh/Jahr) ab­zu­reissen, jeden Tag wächst. Erst kürz­lich hat eine Gruppe enga­gierter Bürger­innen und Bürger eine Bürger­motion ein­ge­reicht (AZ 11.09.2024), welche die Über­prüfung der «Eigner­stra­te­gie des Stadt­rates Aarau für die Eniwa Holding AG» und die Ein­führung eines stra­te­gischen Projekt­controlling für das Kraft­werk­projekt fordert. Meines Erachtens eine längst über­fällige Mass­nahme, die vom Ein­wohner­rat hoffent­lich bald­mög­lichst als Auftrag an den Stadt­rat über­wiesen wird.

Eine Partei hats übrigens gecheckt: Die SVP Aarau steht ohne Vor­be­halt und ein­stimmig (Fraktion Ein­wohner­rat und Vor­stand) hinter dem Erhalt des Mittel­damms! Man darf gespannt darauf sein, welche anderen Stadt-Parteien sich eben­falls für den Erhalt der lokalen Natur ein­setzen werden; einzelne Fraktions­mit­glieder anderer Parteien haben die Petition mittler­weile schon unter­zeichnet, aber ein öffent­licher Posit­ions­bezug für den Erhalt des Mittel­damms steht leider noch aus. Jetzt gilt: Taten statt Worte!




siehe auch Instagram und Facebook.

PS: Vor sehr langer Zeit haben die Aarauerinnen und Aarauer übrigens in der «Alten Badi» im Aarewasser gebadet, und der Mitteldamm erstreckte sich vom Entennest bis direkt zum Kraftwerk:

Alte Badi
Quelle: ETH-Archiv