Kleiner Kanal / Mitteldamm
Chris Müller und Leo Keller
Während es offenbar mehr als einen «Grand Canyon der Schweiz» gibt (Creux du Van und dann natürlich auch die Ruinaulta), so ist klar: Der «Amazonas der Schweiz», der sich während der letzten 100+ Jahre im Grenzgebiet der Kantone SO und AG entlang der Aare entwickelt hat, ist vom Feeling her einmalig in der Schweiz (obwohl natürlich auch andere Landschaften dieses Label für sich reklamieren, so z.B. der Aargauer Hochrhein zwischen Kaiserstuhl und Kaiseraugst).
Schon im 19. Jahrhundert wurde der erste (kleine) Kanal ausgebaggert, zu
Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dann der grosse (nördliche) Kanal ausgebaggert.
So entstand zwischen den beiden Kanälen der sog. «Mitteldamm»,
um den seit Jahren gestritten wird.

Doppelseite SonntagsBlick (geeignet für grosse Bildschirme)
Der regionale Energieversorger Eniwa (mit Monopol in allen Haushalten), der «weitherum teuerste Anbieter» (Zitat AZ 14.06.2018), der in Buchs AG in einem 75-Millionen-Bau residiert wie eine Fortune 500 Company, will den Mitteldamm ratzekahl abreissen und damit diesen wertvollen Erholungsraum für Aarau und Region unwiderbringlich zerstören. Im Gegenzug setzen sich verschiedene Gruppierungen ein für den Erhalt dieser einmaligen Kanallandschaft, die zusammen mit dem Wasserkraftwerk Aarau als ISOS-1A-Objekt im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) eingetragen ist; ein Gutachten der ENHK und der EDK bestätigt diesen Sachverhalt.
Ich setze mich persönlich ein für den Erhalt des Mitteldamms, einerseits als Einwohnerrat in Aarau (die Stadt Aarau besitzt 95.4% der Eniwa Holding AG, kann also im Rahmen der Eignerstrategie sicher ein Wörtchen mitreden bei der Strategie, die von der Eniwa verfolgt wird, auch wenn das gewisse Verwaltungsräte dieses Unternehmens der öffentlichen Hand leicht anders sehen), andererseits als Mitglied des Vereins Rettet den Mitteldamm, der im Jahre 2019 gegründet wurde. Die Mitglieder kämpfen mit viel Herzblut für den Erhalt des Mitteldamms und der Kanalanlage (AZ 15.06.2019). Es ist übrigens nie zu spät, den Wert dieses einmaligen Erholungsraums zu erkennen und sich für den Erhalt des Mitteldamms einzusetzen:
- Petition für den Erhalt des Mitteldamms unterzeichnen
- Mitglied werden im Verein «Rettet den Mitteldamm»
- Patronat für 1m Mitteldamm übernehmen (Aktion Meter-um-Meter, siehe dazu auch diesen Bericht in der AZ vom 06.01.2024)
- Familie, Freunde, Bekannte und Schul- und Arbeitskolleginnen auf die Problematik aufmerksam machen und sie dazu animieren, ebenfalls mitzumachen — in einem ersten Schritt kann man dazu einladen, die Petition zu unterzeichnen. Der Aufwand ist minim (2 Minuten), und je mehr Unterschriften zusammenkommen, desto besser.
Ist es nicht offensichtlich? Der Schutz intakter und ökologisch wertvoller Landschaften ist weitaus einfacher und auch ökonomisch sinnvoller, als sie zu zerstören und dann teure Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen umzusetzen. Im Gegensatz zu den Behauptungen der Eniwa ist der kleine (südliche) Kanal deutlich wertvoller als der grosse (nördliche) Kanal (siehe z.B. den Fachbericht Gewässerökologie und Fische der aquatica GmbH).
Erfreulich ist, dass der Widerstand aus der Bevölkerung gegen die absurden Pläne der Eniwa, den Mitteldamm für 3% bis 4% Strommehrproduktion (ca. 4 GWh/Jahr) abzureissen, jeden Tag wächst. Erst kürzlich hat eine Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger eine Bürgermotion eingereicht (AZ 11.09.2024), welche die Überprüfung der «Eignerstrategie des Stadtrates Aarau für die Eniwa Holding AG» und die Einführung eines strategischen Projektcontrolling für das Kraftwerkprojekt fordert. Meines Erachtens eine längst überfällige Massnahme, die vom Einwohnerrat hoffentlich baldmöglichst als Auftrag an den Stadtrat überwiesen wird.
Eine Partei hats übrigens gecheckt: Die SVP Aarau steht ohne Vorbehalt und einstimmig (Fraktion Einwohnerrat und Vorstand) hinter dem Erhalt des Mitteldamms! Man darf gespannt darauf sein, welche anderen Stadt-Parteien sich ebenfalls für den Erhalt der lokalen Natur einsetzen werden; einzelne Fraktionsmitglieder anderer Parteien haben die Petition mittlerweile schon unterzeichnet, aber ein öffentlicher Positionsbezug für den Erhalt des Mitteldamms steht leider noch aus. Jetzt gilt: Taten statt Worte!
siehe auch Instagram
und Facebook.
PS: Vor sehr langer Zeit haben die Aarauerinnen und Aarauer übrigens in der «Alten Badi» im Aarewasser gebadet, und der Mitteldamm erstreckte sich vom Entennest bis direkt zum Kraftwerk:

Quelle: ETH-Archiv