Heute in der AZ mal wieder ein schönes Beispiel für die realitätsfremde Wunschwelt, in der gewisse Leute leben. Nadja Rohner (nro) schwafelt in ihrem Kommentar «Da sollen alle mitreden können» irgend etwas von Demokratie, verlangt nun aber de facto die Enteignung der Grundeigentümer.
Und das Geschäft, über das die Ortsbürgerinnen und
Ortsbürger am 16. Juni 2025 befinden werden —
Traktandum
4, Baurechtsvertrag Telli — ist
weder komplex noch geht es um einen Landabtausch.
Es geht einzig darum, ob die Ortsbürgergemeinde den
Kanton Aargau aus dem Baurecht entlässt (der aktuelle
Vertrag läuft noch bis 2052) und dann der Stadt Aarau die
Parzelle 849 (im Wesentlichen die Leichtathletikanlage
Telli) im Baurecht für 100 Jahre überlässt, und zwar
für eine Maximalzinszahlung von CHF 150'000 pro Jahr.
Würde man der Broschüre
des Stadtrats (mit unscharfen Bildli und klar
irreführenden Behauptungen) glauben,
so wäre die Ortsbürgergemeinde Aarau sogar dazu
verpflichtet, die vom Stadtrat schon unterzeichneten
Verträge einfach durchzuwinken. Den Schaden
in Form entgangener Erträge im Ausmass von 19 Millionen
Franken müsste sie selber tragen, wobei der Gesamtschaden
— je nach Entwicklung der Zinssätze über die
nächsten 100 Jahre — eben auch deutlich höher
ausfallen könnte. Bei 5% würde der Schaden für
die Ortsbürgergemeinde auf satte 65 Millionen
Franken ansteigen! Wer lesen und rechnen
kann, der stellt übrigens einfach fest,
dass der Stadtrat den Vertragsvorschlag
so formuliert hat, dass es überhaupt keine Obergrenze
gibt für den Schaden, den die Ortsbürgergemeinde
erleiden könnte. Kurzum: Zum wiederholten Male
versucht der Stadtrat, die Ortsbürgergemeinde
über den Tisch zu ziehen. Es ist geradezu eine Frechheit,
dass der Stadtrat, der immerhin mit einem HSG-Ausgebildeten
und mehreren Juristen bestückt ist, eine solche Broschüre
absegnet. Erinnert einen sehr an die z.T. katastrophale
Qualität der Botschaften, mit denen der Einwohnerrat
jeweils beglückt wird. Anstelle von faktisch korrekter und
qualitativ hochstehender Information wird man mit
Ideologie pur versorgt.
Die Rechtslage ist aber glasklar und es ist auch nicht verboten, etwas gesunden Menschenverstand walten zu lassen: Da erstens die Ortsbürgergemeinde Aarau unbestritten Eigentümerin der Parzelle 849 ist und zweitens allfällige Ertragsminderungen selber zu tragen hätte, ist es wohl nicht mehr als recht und billig, dass genau diese Ortsbürgergemeinde als alleinige Eigentümerin auch darüber befinden kann — und zwar ohne Einmischung der übrigen Stimmbürgerinnen und Stimmbürger — ob sie diesem vom Stadtrat im Alleingang ausgehandelten Geschäft zustimmen will oder nicht.
Die Linken haben in der Stadt Aarau die Rechte der
Eigentümer schon in vielen Bereichen eingeschränkt,
aber der marxistische Aufruf einer Journalistin, die
Eigentumsrechte der Ortsbürgergemeinde zu limitieren,
das ist ein starkes Stück. Wie lautet die nächste
Forderung? Enteignung zum Wohle der Stadt? Ein Mindestmass
an Verständnis für Demokratie, Eigentumsrechte und
Rechtsstaatlichkeit, das sollte man von einer Person
verlangen dürfen, die bei ch-media für die Berichterstattung
aus der Stadt Aarau verantwortlich ist. Demokratie
und Rechtsstaat will man in der Schreibstube offenbar nur dann, wenn es einem
etwas nützt. Mühsam ist auch, dass das lokale Leitmedium «Aargauer
Zeitung» die Propaganda
aus dem Aarauer Rathaus
meist unbesehen und unkritisch übernimmt, während
andere Meinungen ignoriert oder gar zensuriert werden.
Solches fällt nicht nur beim Thema «Mammut-Schule»
auf, auch die Berichterstattung über den
«Mitteldamm» leidet an den gleichen
Defiziten.
Eigentum und Eigentumsrechte sind tragende Säulen jeder zivilisierten und arbeitsteiligen Gesellschaft und Wirtschaft. Es handelt sich — zusammen mit unserer Demokratie, die nur mit transparenter Information ohne Filter und Einseitigkeit funktionieren kann — um wichtige Pfeiler unseres Wohlstands. Die Zusammenhänge sind einfach zu verstehen: Ohne Haben kein Geben. Ohne Geben kein Tausch. Ohne Tausch kein Frieden. Und ohne Frieden keinen Wohlstand. Ergo: Ohne Eigentum weder Frieden noch Wohlstand.
Es sei hier klar gesagt: Natürlich steht es Frau Rohner (nro) frei, eine eigene Meinung zu haben. Selbstverständlich darf sie ihre Meinung in einem Kommentar publizieren. Aber nachdem die Berichterstattung in der AZ zum Thema Oberstufen-Schulraumplanung seit Jahren einseitig, unvollständig und häufig sogar einfach falsch ist, hätte man am Wochenende vor einer wichtigen Abstimmung doch eher einen ausführlichen, faktenbasierten Bericht erwartet, als einen marxistisch motivierten Aufruf zur Beschneidung der Rechte der Aarauer Ortsbürgergemeinde.
PS: Ich bin kein — frei nach Frau Rohner — «Alteingesessener», der als Ortsbürger über die Zukunft der Parzelle 849 bestimmen darf, aber es liegt mir sehr daran, dass transparent und ehrlich informiert wird. Die AZ erfüllt ihre Aufgabe als «vierte Gewalt im Staat» definitiv nicht.