Guter Start in die neue Woche dank einer GLP-Anfrage, vermutlich eingereicht aus Ärger über meine Anfrage zum Thema «PubliBike» (ein Geldverdampfungssystem, das überall sofort eingestampft wird, wenn die Subventionen mit unseren Steuergeldern versiegen...). Hier mein Senf zum Wochenauftakt:
Die Argumentation der GLP-Anfrage ist methodisch unseriös und dient eher der politischen Rechtfertigung als einer faktenbasierten Debatte. Die pauschale Gegenüberstellung von 14'000 Franken Jahressubvention der Stadt mit den gesamten externen Kosten des motorisierten Verkehrs (scheinbar über 40 Millionen Franken für Aarau) ist grob irreführend. Sie blendet aus, dass das PubliBike-System in Aarau seit dem Start im Juli 2024 bis März 2026 lediglich rund 20'000 Fahrten verzeichnete – im Schnitt also nur ca. 30 Fahrten pro Tag bei 130 Velos und 23'000 Einwohnern.
Ein derart geringer Einsatz kann keine messbare Verkehrsverlagerung vom Auto, keinen nennenswerten Gesundheitsnutzen und keinen relevanten Klimabeitrag leisten. Viele Bike-Sharing-Fahrten ersetzen in der Praxis ohnehin Spaziergänge, ÖV-Nutzung oder private Velos statt Autofahrten – genau diese konkreten Modal-Shift-Daten fehlen in der GLP-Anfrage komplett; oder auf den Punkt gebracht: Nicht jede Division ist sinnvoll, auch wenn sie nach einem Studium an der ETH korrekt ausgeführt wird...
Die theoretischen ARE-Zahlen zu externen Kosten und Gesundheitsnutzen sind allgemein richtig, beweisen aber nicht die Wirksamkeit dieses spezifischen, subventionierten Systems in Aarau. Wer ernsthaft «Kosten, Nutzung und Nutzen» diskutieren will, muss zuerst die tatsächliche Kosten kennen (→ Anfrage SVP) und dann die tatsächliche Wirkung evaluieren (inkl. saubere Modal-Shift-Analyse), statt mit Makro-Statistiken eine Kleinstinvestition zu rechtfertigen. Die SVP-Anfrage war daher nicht «unvollständig», sondern notwendig – die GLP-Anfrage liefert vor allem ideologische Kosmetik statt belastbarer Fakten.
Wer sich vertieft mit der Materie Modal Shift (Verkehrsverlagerung) im Zusammenhang mit dem PubliBike-Angebot auseinandersetzen will, der muss sich intensiv mit der folgenden Frage beschäftigen: Wie viele Autofahrten werden tatsächlich durch PubliBike ersetzt? Nicht theoretisch, sondern tatsächlich gemessen. Studien, wie z.B. die Econcept-Studie oder dieses Paper aus ScienceDirect, zeigen bei Bike-Sharing-Systemen meist nur 5–15 % echte Auto-Ersatzfahrten – der Rest sind Spaziergänge, eigene Velos oder kurze ÖV-Strecken. Im konkreten Fall müsste man aber sowieso die tatsächliche Situation in Aarau genau unter die Lupe nehmen. So ist nämlich zu beobachten, dass mit den PubliBikes (wenig überraschend) vor allem ebenaus und bergab gefahren wird. Man mietet an der Heinerich-Wirri-Strasse in der Nähe der Tramhaltestelle Binzenhof ein Velo und fährt damit dann in die Stadt oder zur Aare runter. Mit kleinen Transportfahrzeugen werden diese Velos dann wieder eingesammelt und an den ursprünglichen Standort zurücktransportiert, weil es den Leuten (ebenfalls wenig überraschend) zu anstrengend ist, mit dem Velo bergauf zu fahren. So werden in diesem Fall Autofahrten mit PubliBike nicht etwa eingespart, sondern generiert. Aber eben: Gut gemeint ist nicht zu verwechseln mit gut gemacht.