Die geplante «Fusion» von Aarau und Unterentfelden ist keine Partnerschaft auf Augenhöhe. Es ist eine Übernahme. Der Adler frisst die Ente – und das Plakat zeigt es ungeschminkt. Wer die Testimonials auf der Pro-Seite «Zäme stärker» liest, bekommt vor allem wohlklingende Phrasen gefüttert. Drei davon dominieren. Hier werden sie entlarvt:
1. «Abgestimmte Planung über Gemeindegrenzen hinweg» und «Synergien / effizientere Strukturen»
Die Worthülse
«Der Zusammenschluss schafft Synergien und ermöglicht eine abgestimmte Planung über Gemeindegrenzen hinweg. Es entstehen stärkere Strukturen, effizientere Lösungen…»
— Fabio Mazzara u. a.
Alles, was in Aarau entschieden wird, gilt künftig auch in Unterentfelden – und zwar rückwirkend. Sämtliche bestehenden Aarauer Reglemente, Verordnungen und Konzepte (Parkierungskonzept, Mobilitätskonzept für Anlässe, Bau- und Nutzungsordnung in der Praxis, Abfall-, Wasser- und Gebührenordnungen etc.) werden nach der Fusion - mit wenigen Ausnahmen - automatisch anwendbar. Die Unterentfelder Gemeindeversammlung verschwindet. Die direkten Einflussmöglichkeiten einer kleinen Gemeinde werden durch den Einwohnerrat und den Stadtrat von Aarau ersetzt. «Synergie» heisst hier vor allem: Die kleinere Gemeinde passt sich der grösseren an.
2. «Gemeinsam sind wir stärker – mehr Gewicht, attraktiverer Wirtschaftsstandort»
Die Worthülse
«Gemeinsam haben Aarau und Unterentfelden das nötige Gewicht, um als starker kantonaler Player aufzutreten…» / «Gemeinsam stärken wir unseren Wirtschaftsstandort.»
Aarau gewinnt Einwohner, Fläche und damit etwas mehr politisches Gewicht im Kanton. Unterentfelden verliert die eigene Stimme. Die «Stärke» ist die Stärke der Stadt Aarau. Stimmberechtige in Unterentfelden, die heute noch an ihrer Gemeindeversammlung Anträge stellen und direkt abstimmen können, werden zu einer kleinen Minderheit in einem grossen Einwohnerrat. Die Standortattraktivität für Unternehmen wird primär an Aarauer Interessen gemessen – nicht an den spezifischen Bedürfnissen eines eigenständigen Dorfes mit eigenem Charakter und eigenen Prioritäten.
3. «Bessere Finanzen, tieferer Steuerfuss und mehr Möglichkeiten für Schule & Infrastruktur»
Die Worthülse
«Ein tieferer Steuerfuss bedeutet mehr Kaufkraft…» / «Eine finanziell starke Gemeinde kann den Schulstandort besser in die Zukunft führen.»
Der Steuerfuss mag sinken, wobei es zu bedenken gilt: Rund 50% der Steuerpflichtigen werden pro Jahr im Schnitt weniger als 100 Franken sparen! Dafür steigen die Gebühren für alle, da sie an das Aarauer Niveau angeglichen werden (Abfall, Wasser, Kanalisation etc.). Die «finanziell starke Gemeinde» entscheidet in Aarau, welche Projekte in Unterentfelden Priorität haben. Historisch und aktuell zeigt sich: Grossstädte optimieren zuerst für sich selbst. Die versprochenen «mehr Möglichkeiten» sind keine Garantie, sondern abhängig vom politischen Willen der Mehrheit in Aarau. Die eigene Gestaltungsfreiheit über Schule, Feuerwehr, Vereinsförderung und Infrastruktur geht verloren.
Es ist eine Illusion zu glauben, dass der bisher kleinere Partner «Unterentfelden» nach der Fusion mit Aarau mehr Einfluss nehmen könnte auf die Schule Entfelden. Erstens hat Aarau einen denkbar schlechten Erfolgsauweis, wenn es um Kreisschulen geht: Innert weniger als zehn Jahren hat Aarau zuerst die gut funktionierende Kreisschule Rohr Buchs zerstört, und kurz vor den Sommerferien 2026 nun auch noch die Kreisschule Aarau Buchs. Zweitens ist Oberentfelden gross genug, die Schule Entfelden alleine zu führen (auch die Oberstufe!), d.h. Unterentfelden könnte plötzlich mit abgesägten Hosen dastehen, und den Oberstufen-SuS droht dann plötzlich ein sehr langer und auch deutlich gefährlicherer Schulweg in die Aarauer Telli. Aarau am Verhandlungstisch zu haben, das ist garantiert kein Vorteil, wenn Unterentfelden an einer gut funktionierenden Schule interessiert ist.
Fazit
Eigenständigkeit ist kein leeres Wort – sie ist Macht
Die Pro-Kampagne verkauft eine Übernahme als romantisches «Zäme wachse». Die Sprache ist bewusst weich: Synergien, gemeinsame Zukunft, starke Region. Hinter den Phrasen steht die klare Hierarchie: Aarau entscheidet, Unterentfelden folgt.
Unterentfelden hat heute eine funktionierende Gemeindeversammlung, kurze Wege, eigenen Charakter und die Möglichkeit, Prioritäten selbst zu setzen. Das aufzugeben für die Aussicht auf «professionellere Strukturen» und einen etwas tieferen Steuerfuss ist ein schlechter Tausch.
Unterentfelden bleibt selbständig – das ist besser für Unterentfelden. Und ehrlich gesagt auch besser für Aarau: Eine Stadt, die ihre Nachbarn respektiert statt sie zu schlucken, bleibt langfristig glaubwürdiger und attraktiver.
Deshalb: Nein zur Fusion!
Weitere Informationen: zäme-schaffe.ch
PS: Hier noch eine Zugabe:
Die offizielle Hymne von Unterentfelden.
Laut aufdrehen, d'Änte tanzt mit!