Landabtausch? Fake News

06.07.2025@17:09
Propaganda

In der AZ vom 2. Juli 2025 mal wieder ein schönes Beispiel für Desinformation beim Thema «Mammut-Schule». «Fake News» ohne jede Re­cher­che, ver­breitet vom Lokal-Blättli AZ (Aar­gauer Zei­tung) der ch-media. Man liest, was Florian Wicki da so zusammen­schreibt, und man reibt sich die Augen: Desinformation pur

«Aarau braucht Schul­raum» ist etwa gleich aus­sage­kräftig wie «der Mensch braucht Sauer­stoff zum Leben». Mit «damit» wird normaler­weise eine Implikation ein­ge­leitet, und es bleibt das Geheimnis von Wicki, wieso die Erneuerung des Zelgli­schul­hauses not­wendig sein soll, um 18 Abtei­lungen zu führen, wenn aktuell 24 Abtei­lungen Platz haben. Eben­falls inno­vativ ist der Ein­satz von «dafür». Wieso behauptet Wicki, es sei ein Land­ab­tausch not­wenig für den Neubau in der Telli oder die Erneuerung des Zelgli­schul­hauses? Man will ja niemandem zu Nahe treten, aber wer so wenig ver­steht von der Materie und über weite Strecken schlicht fakten­frei unter­wegs ist, der wäre evtl. in der Redaktion eines Satire-Magazins besser auf­ge­hoben als bei einer Tages­zeitung. Und wo bleibt die Qualitäts­kontrolle der AZ?

Hier ein paar Fakten für Interessierte:

  • Der Schul­raum­bedarf für die Ober­stufe Stadt Aarau — also für die Ober­stufen­schüle­rinnen und -schüler (SuS) mit Wohn­sitz in Aarau — beläuft sich aktuell auf 600. Ergo braucht die Stadt Aarau für die Ober­stufen-SuS mit Wohn­sitz in Aarau gar keinen zu­sätz­lichen Schul­raum, weil die Stadt Aarau schon Schul­raum hat für rund 950 Ober­stufen-SuS. Ich weiss, dass die Stadt selber bis ca. Mai 2025 auf ihren eigenen Web­seiten fakten­frei behauptet hat, sie brauche viel zusätz­lichen Schul­raum. «Aarau auf Kurs» hat die korrekten Zahlen in Er­fahrung ge­bracht (direkt bei der KSAB erhoben) und am 13.03.2025 publi­ziert: Real News An den Stand­orten Zelgli und Schachen hat es Schul­raum für 827 SuS, nimmt man das Stäpfli in Rohr noch dazu, dann steht man bei einem Schul­raum­angebot von mehr als 950.
  • Das Zelgli­schulhaus erneuern ist ein Euphemismus für klein­schrumpfen. Das Zelgli soll nämlich von aktuell 24 Abtei­lungen auf 18 Abtei­lungen redu­ziert werden (also minus 25%). Das hat rein gar nichts mit "zeit­gemäs­sen Räum­lich­keiten" zu tun. Weiter will der Stadt­rat mit dem Ver­kauf des Landes süd­lich der Pestalozzi­strasse (siehe unten) ver­hindern, dass der Stand­ort Zelgli je wieder aus­gebaut werden kann. Dieser Land­verkauf (ent­gegen der städtischen Immo­bilien­strategie — lesen lohnt sich!) hat rein gar nichts mit der Sicherung von Ober­stufen-Schul­raum für Aarau zu tun.
  • Desinformation pur

  • Landabtausch? Fake News! Es wird rein gar nichts getauscht, schon gar kein Land. In der Telli soll der Kanton aus dem bestehenden Bau­rechts­vertrag mit den Orts­bürgern ent­lassen werden, während die Stadt mit den Orts­bürgern gerne einen neuen Bau­rechts­vertrag für 100 Jahre ab­schliessen möchte (ergo: KEIN Land­ab­tausch). Im Zelgli will der Stadt­rat die Parzellen 2950 (aktuell im Bau­recht beim Kanton) und 973 (darauf steht das sog. "Schulhaus Zelgli", nicht zu ver­wechseln mit dem Zelgli­schul­haus) an den Kanton ver­kaufen (ergo: auch hier KEIN Landabtausch). Korrekt ist, dass der Kanton das Hallenbad loswerden möchte; aber auch unter Berück­sichtigung des Kaufs der beiden Parzellen 850 und 851 käme kein ver­nünftiger Mensch auf die Idee, einen Netto­land­ver­kauf von fast 10'000 m2 als «Land­ab­tausch» zu be­zeichnen. Wer mehr über dieses aus Sicht der Stadt kata­strophale Geschäft wissen möchte, der kann sich im Beitrag «Land­ab­tausch — nach­ge­rechnet» schlau machen.

Mit anderen Worten: Es ist ein­drück­lich, wie­viel Desinfor­mation schon im ersten Paragraphen des Zeitungs­artikels rein­gepackt ist. Man will den Rest gar nicht mehr lesen...