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Kommentar

Wenn Mütter ihre Kinder am liebsten zu Hause behalten, muss der Staat seine Krippenfinanzierung überdenken

Es gibt sinnvollere und fairere Wege, Familien finanziell zu entlasten, als immer noch höhere Subventionen für Kitas auszuschütten.

17.01.2026  ·  3 Leseminuten

Krippen dienen nicht nur den Eltern und den Kindern, sondern auch der Wirtschaft: Wenn die Mütter ihre Kleinen abgeben können, um zur Arbeit zu fahren, dann hat das einen volkswirtschaftlichen Nutzen.

Dies ist der Konsens, auf dem in der Schweiz in den letzten Jahren eine millionenteure Subventionsindustrie aufgebaut worden ist. Allein der Kanton Zürich und seine Gemeinden unterstützen Krippen und Horte Jahr für Jahr mit 300 Millionen Franken. Auf Bundesebene wiederum ist gerade ein weiteres Giesskannen-Sozialwerk beschlossen worden: Eltern erhalten künftig bis zu 500 Franken pro Kind und Monat direkt auf die Hand. Kostenpunkt: 600 bis 700 Millionen Franken pro Jahr.

Doch nun mehren sich die Hinweise, dass die Rechnung nicht aufgeht.

Diese Woche hat eine neue Studie des Amts für Wirtschaft des Kantons Zürich und des Beratungsunternehmens Deloitte aufhorchen lassen. Die Autoren gelangen zu der Erkenntnis, dass viele Mütter sich auch von sehr hohen Subventionen nicht dazu bringen lassen, ihre Kinder fremdbetreuen zu lassen.

Sogar eine Senkung der Tarife um zwei Drittel würde die Erwerbstätigkeit der Mütter schweizweit bloss um etwa 15 000 Vollzeitstellen steigern. Zum Vergleich: Nur schon der Kanton Zürich geht davon aus, dass ihm aufgrund der demografischen Entwicklung bis zum Jahr 2050 rund 300 000 Arbeitskräfte fehlen werden.

Die Krippensubvention ist also eine sehr teure Massnahme, die der Wirtschaft kaum etwas bringt. Gerade solange die Kinder noch klein sind, wollen viele Mütter offensichtlich nicht arbeiten oder ihr Pensum erhöhen. Auch ein sehr günstiger Krippenplatz ändert daran nichts.

An der Haltung der Eltern ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Wie sie die Betreuung ihrer Kinder regeln, ist allein ihre Sache. Doch aus staatlicher Sicht muss man sich fragen, warum Krippenplätze noch stärker finanziell unterstützt werden sollen, wenn es kaum einen zusätzlichen gesamtgesellschaftlichen Nutzen gibt.

Zudem, auch das zeigt die Studie, könnten seltsame Effekte auftreten. Rund 40 Prozent der Kleinkinder werden von den Grosseltern betreut. Wenn nun die Krippentarife deutlich sinken, dann nehmen gewisse Eltern ihre Kinder von Oma und Opa weg und platzieren sie in einer Krippe. An ihrem Arbeitspensum ändern sie aber nichts. Dies zeigen Erfahrungen aus dem Ausland.

Die mit Steuergeldern finanzierte Krippe entlastet so am Ende nicht nur die Eltern, sondern auch die Grosseltern – also genau jene Generation, die sowieso schon von besonders hohen Transferleistungen profitiert. Es kann aber nicht die Idee sein, dass ein staatlich subventioniertes Angebot so attraktiv ist, dass es sogar die Betreuung innerhalb der Familie konkurrenziert.

Die Quintessenz aus diesen Erkenntnissen soll nicht sein, dass jede staatliche Förderung von Krippenplätzen eingestellt werden muss. Es ist zum Beispiel sinnvoll, wenn es nicht nur in den Städten, sondern auch auf dem Land Krippen gibt, sofern Bedarf besteht. Die Unterstützung von Geringverdienern ist sowieso unbestritten.

Aber im heutigen Modell profitieren vor allem jene Eltern von einer Erhöhung der Subventionen, die ihre Kinder sowieso schon fremdbetreuen lassen. Das ist ein klassischer Mitnahmeeffekt. So gesehen ist ein Ausbau der staatlichen Unterstützung für Krippen eine sozialpolitische Massnahme und keine wirtschaftspolitische.

Um Eltern finanziell zu entlasten, gibt es jedoch bessere und vor allem fairere Mittel: Von Steuerabzügen und von Kinderzulagen profitieren alle, unabhängig davon, ob sie ihre Kinder in eine Krippe geben oder nicht. Künftige familienpolitische Vorstösse sollten ihren Schwerpunkt deshalb eher auf solche Massnahmen legen als auf einen weiteren Ausbau der Subventionen für Krippen.

Quelle: NZZ-Kommentar (17. Januar 2026).
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