Die staatliche Förderung der institutionellen Kinderbetreuung ist seit vielen Jahren ein Dauerthema. Doch ist es in einer Marktwirtschaft überhaupt die Aufgabe des Staates, die Vereinbarkeit von Familienleben und Erwerbsarbeit zu subventionieren?
Kaum eine andere Sparte der Sozialpolitik geniesst so viel Wohlwollen wie die Familienpolitik. Familie steht für Heimat und soziale Wärme. Politische Anliegen, die – zumindest vorgeblich – im Interesse der Familien sind, stossen deshalb auf viel Sympathie.
Das wissen auch Politiker und Lobbyisten. Wenn etwa der Bauernverband für Subventionen weibelt oder gegen Reformen Stimmung macht, bemüht er gerne mit viel Pathos das Bild der Bauernfamilien – als hätten Handwerker oder Angestellte keine Familien und als würde jede Reform der höchst reformbedürftigen Agrarpolitik das bäuerliche Familienglück zerstören.
Die Kraft solcher Rhetorik ist nicht zu unterschätzen. Der Bauernverband beweist seit langem, welch üppige Ernten man einfahren kann, wenn man dieses Feld geschickt bestellt.
Was für die Landwirtschaft gilt, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten auf den Rest der Gesellschaft übertragen. Familienpolitik ist en vogue. In kaum einem anderen Bereich schreitet der Ausbau staatlicher Leistungen so forsch voran wie hier, man denke etwa an die familienexterne Kinderbetreuung oder den Vaterschaftsurlaub.
Ein Ende ist nicht abzusehen, denn Familie und Kindeswohl sind für politische Akteure von der Uno-Organisation bis zur Ortspartei ein dankbares Betätigungsfeld, um sich zu profilieren.
Dieser Boom hat Gründe. Zum einen wird Familienpolitik als Postulat der «tatsächlichen» Gleichstellung dargestellt, einer Gleichstellung, die nicht nur rechtlicher Natur ist, sondern auch «in der sozialen Wirklichkeit» umgesetzt wird, koste es, was es wolle. Die Familienpolitik soll dafür sorgen, dass Frauen auf dem Karriereweg nicht ausgebremst und in Ungnade gefallene Rollenbilder beseitigt werden.
Zum andern führt die Erwerbstätigkeit der Frauen zu einer Nachfrage nach Kinderbetreuungsangeboten. Das ist nicht neu. Kinderkrippen entstanden bereits vor weit über hundert Jahren. Damals waren sie oft patronaler Natur und somit Ausdruck der sozialen Verantwortung der Unternehmen.
In der Schweiz wurde Emma Stämpfli-Studer – seit dem Tod ihres Gatten 1894 Patronne der Druckerei Stämpfli – zu einer Pionierin des Krippenwesens. Für die Finanzierung der Krippe, die sie noch zusammen mit ihrem Mann gegründet hatte, ging sie bei Firmen, Privaten und Kirche auf Geldsuche.
Die heutigen familienpolitischen «Pioniere» rufen hingegen lieber gleich nach dem Staat, statt an die Eigenverantwortung von Eltern und Arbeitgebern zu appellieren und private Initiativen anzuregen. Die gesalzenen Rechnungen überlassen sie dann den Steuerzahlern. Das ist in einer Marktwirtschaft fragwürdig, da es sich nicht zuletzt um eine indirekte Subvention für die Arbeitgeber handelt; sie müssen sich nicht mehr um die Kinderbetreuung kümmern, wenn es der Staat tut und die Allgemeinheit einen Grossteil der Kosten trägt.
Und eines ist sowieso gewiss: Wenn der Staat Aufgaben übernimmt, die auch Private ausführen können, darf man immer damit rechnen, dass es teurer, bürokratischer und – besonders im Bereich Familienpolitik – ideologischer wird.