Der Mitteldamm ist kein künstlich aufgeschüttetes Bauwerk und keine «aufgeschüttete Insel». Er ist der Rest des ursprünglichen Aare-Schotters (Auen- und Schachenland), der zwischen den beiden ausgebaggerten Kraftwerkskanälen stehen blieb.
In den frühen 1870er-Jahren liess der Zementfabrikant Albert Fleiner (erste Portlandzementfabrik der Schweiz) einen Gewerbekanal in den linksufrigen Schachen graben. Der Kanal war rund 1,83 km lang und nutzte das natürliche Gefälle der Aare ohne Wehr. Das zugehörige Kraftwerk lag etwas unterhalb der heutigen Zentrale I.
1893 kaufte die Einwohnergemeinde Aarau den Kanal und das Kraftwerk von Fleiner und baute es zur Stromproduktion aus (Betriebsaufnahme 15. August 1894).
Quellen: ENHK/EDK-Gutachten 2020; Wikipedia «Kraftwerk Aarau»; Wasserkraft Aarau (Chronik).
1912/13 wurde parallel zum bestehenden (schmalen) Kanal ein zweiter, breiterer Kanal ausgehoben und die Zentrale II errichtet. Zwischen den beiden ausgebaggerten Kanälen blieb ein schmaler Landstreifen des ursprünglichen Schachen-Terrains stehen – der Mitteldamm.
Die Wikipedia-Beschreibung der Aarauer Aare-Inseln trifft den Kern: «Beide Inseln … entstanden durch das Ausbaggern von Gewerbekanälen.» Es handelt sich also um Residual-Terrain, nicht um aufgeschüttetes Land.
Quellen: Wikipedia «Aarau» (Abschnitt Geographie); ENHK/EDK-Gutachten 2020 (Baugeschichte); Landeskarten / historische Luftbilder (u. a. 1941).
1962 wurde der Mitteldamm oberwasserseitig der Kraftwerkanlage auf einer Länge von rund 500 m abgetragen, so dass dort seither ein einziger breiter Kanal besteht.
Der heute noch vorhandene untere Abschnitt ist somit der letzte grössere Rest des ursprünglich natürlich gewachsenen Damms.
Quellen: ENHK/EDK-Gutachten 2020; Projektunterlagen / Chronik Wasserkraft Aarau.
Eine Aufschüttung würde bedeuten, dass Material künstlich aufgetragen wurde. Historische Quellen und die Baugeschichte belegen das Gegenteil:
Die Formulierung «aufgeschüttete Insel» in Medienberichten ist daher sachlich unzutreffend und irreführend.