Die Stadt Aarau schreibt einem Kleinkind per Reglement seine «Grundbedürfnisse» vor. Nicht die Eltern. Der Staat. Physiologische Bedürfnisse, Sicherheit und Bindung, Exploration und Spiel, Sinneswahrnehmung, eigene Wirksamkeit, Vermeidung «schädlicher Reize», feinfühlige Beziehungen und altersgerechte Interaktion mit anderen Kindern. Das steht schwarz auf weiss im Entwurf des Reglements über die Angebote der frühen Kindheit (RAfK). Wer diese Liste festlegt, entscheidet, was ein Kind «braucht» – und damit, woran die Familie gemessen wird.
Das ist keine Harmlosigkeit. Das ist der Einstieg in die staatliche Definition des Kindes. Die SVP hat in der Vernehmlassung genau das gesagt: Erziehung ist Sache der Eltern, der Staat hat sich nicht in die frühkindliche Erziehung einzumischen und Grundbedürfnisse zu definieren. Die Antwort des Stadtrats: Die Stimmbevölkerung habe 2022 den Familienzentren, den Familienlotsen und dem «städtischen Engagement» im Bereich frühe Kindheit zugestimmt. Also wird nachgelegt.
Das Modell ist simpel und zynisch:
1. Steuern einziehen.
2. Damit Familienzentren, Lotsen und Spielgruppen-Subventionen finanzieren.
3. Eltern haben weniger Netto und müssen mehr arbeiten, um denselben Lebensstandard zu halten.
4. Zeit für die eigene Betreuung der Kinder schwindet.
5. Die mit Steuergeld verbilligte Gruppenbetreuung wird relativ attraktiver als die Eigenbetreuung.
6. Der Staat gewinnt Zugang, Sprache, Werte und Sozialisation.
Genau das bewirken RAfK und die Spielgruppenverordnung (SPVO). Familienzentren in den Quartieren, grundsätzlich kostenlos, mit ausgebildetem «Fachpersonal». Familienlotsinnen und -lotsen,
die «aufsuchend» beraten – also ins Haus kommen. Zugewiesen von Gynäkologen, Pädiatern, Hebammen oder den Sozialen Diensten. Freiwillig,
heisst es. Aber wer einmal im System ist, wird «vermittelt». Die Stadt testet bereits Screenings auf psychosoziale Belastungen und Selbstzuweisung.
Bei den Spielgruppen wird der Hebel noch klarer. Subventionen gibt es nur, wenn die Spielgruppe eine Leistungsvereinbarung mit der Stadt unterschreibt und die städtischen Qualitätskriterien erfüllt. Ohne Stadtstempel keine Entlastung. Das ist Marktverzerrung per Design: Private Angebote ohne Vertrag werden für die Eltern teurer. Die Stadt kann in den Familienzentren sogar selbst Spielgruppen betreiben. Der Einstieg ins Angebot ist vorbereitet.
Was «Qualität» heisst, diktiert die Verordnung: schriftliches pädagogisches Leitbild mit «freiem Spiel» im Zentrum, branchenüblicher Verhaltenskodex, glaubensneutral, während der Betreuung nur Schriftsprache oder Mundart, Eintritt frühestens mit zweieinhalb Jahren, höchstens zwölf Kinder, höchstens ein Drittel unter drei, 2,5 bis 3,5 Stunden pro Besuch, maximal 10,5 Stunden pro Woche. Sechs Quadratmeter Spielfläche pro Kind. SSLV-anerkannte Ausbildung der Leitung, jährlicher Sonderprivatauszug für alle Betreuenden, zwölf Stunden Weiterbildung pro Jahr. Die Stadt darf Steuerveranlagungen beiziehen, um die Subventionshöhe festzulegen. Maximal Fr. 32.50 pro Besuch, Eltern zahlen immer mindestens Fr. 7.50. Nur die letzten zwölf Monate vor dem Kindergarten, höchstens zwei Besuche pro Woche.
Das klingt nach Kleinigkeiten. Es ist aber der berühmte «Fuss in der Tür». Wer das Geld gibt, bestimmt die Regeln. Wer die Regeln bestimmt, formt die Atmosphäre, in der Kleinkinder ihre ersten Stunden ausserhalb der Familie verbringen: Sprache, Neutralität gegenüber Glauben, «chancengerechte Teilhabe an der Gesellschaft», Zusammenarbeit mit Fachpersonen. Die Familie wird Ergänzung, der Staat Rahmen.
Die Parallele zur DDR ist keine Übertreibung, sie ist das Muster. In der DDR begann die Kollektiverziehung in der Krippe, oft ab wenigen Lebenswochen. Nicht weil Mütter «freiwillig» wollten, sondern weil das System die Frau in die Produktion und das Kind in die staatliche Sozialisation holen wollte. Hohe Frauenerwerbsquote war Programm. Die Krippe war nicht nur Aufbewahrung, sie war frühe Ablösung von der Familie und Vermittlung der richtigen Haltung. «Von der Wiege bis zur Bahre» – der Staat begleitete, erzog, kontrollierte. Die nächste Generation sollte dem Staat gehören, nicht den Eltern. Aarau will hier sogar noch weiter gehen. «Spezialistinnen» wie Mina Najdl zeigen in ihren Präsentationen unverhüllt, dass die Kontrolle schon im Mutterleib ansetzen muss (man beachte das erste Bildchen!).
Aarau macht das nicht mit Zwang und Parteiabzeichen. Aarau macht es mit Steuern, Subventionen, Qualitätskatalogen und «niederschwelligen» Angeboten. Das Vokabular ist weicher: Kindeswohl, Chancengerechtigkeit, Teilhabe, Prävention, Qualität. Das Ergebnis ist dasselbe Muster: Die Alternative zur Familie wird künstlich verbilligt, die Eigenbetreuung relativ teurer, der Staat definiert, was ein Kind braucht, und sitzt mit im Raum, in dem Werte weitergegeben werden.
Umgekehrt wehren sich genau solche «Spezialistinnen» mit aller Kraft dagegen, dass sinnvolle Abklärungen wie z.B. eine Sprachstanderhebung, die der Kanton AG schon bald standardisiert und flächendeckend einsetzen wird, in Aarau nicht durchgeführt werden. Geht es bei diesen städtischen Programmen tatsächlich um das Wohl der Kinder? Diese Frage muss jeder für sich beantworten, aber spätestens dann, wenn die Transformation von Aarau zur DDR 2.0 abgeschlossen ist, wird man diese Frage in der Öffentlichkeit gar nicht mehr stellen dürfen. Es ist also höchste Zeit aufzuwachen!
Die Botschaft an den Einwohnerrat rechnet mit theoretisch maximal rund Fr. 165'000 Subventionen; das ist natürlich Schönfärberei pur, komplett «unrealistisch». Familienzentren und Lotsen laufen bereits. Weitere Standorte sind geplant. Die Verwaltung verspricht, es brauche keine zusätzlichen Stellen. Genau so beginnt es immer. Erst ein Versuchsballon, dann «verstetigen» gefolgt von «bedarfsgerechtem Ausbau», und zum Schluss dann viele neue Stellen und dauerhaft höhere Kosten, d.h. entweder jedes Jahr Verluste in der Rechnung oder eine satte Steuererhöhung. Die Vollkosten der Entmündigung der Eltern sind in der ersten Subventionsrate nicht zu sehen. Sie liegen in der Gewöhnung: dass der Staat die frühe Kindheit «qualitätsvoll» organisiert und die Familie nur noch mitmacht.
Wer Kinder selbst erzieht oder in einem engen, vertrauenswürdigen Umfeld betreut (oder auch betreuen lässt, z.B. von Grosseltern, Freunden, Götti oder Gotte usw., der braucht (noch) keine städtische Bedürfnisliste und keine Leistungsvereinbarung. Er braucht einen tieferen Steuersatz und damit mehr Mittel, die man selber nach Gutdünken optimal ausgeben kann, mehr Zeit und die gesellschaftliche Anerkennung, dass Bindung, Individualität und Wertevermittlung zuerst in der Familie stattfinden. Alles andere ist ein teurer Umweg in die Kollektivgesellschaft – auch wenn wir in Aarau noch keine Betonmauern haben. Aber auch Reglemente, Verordnungen und das Abschöpfen von Steuergeldern limitieren uns freie Bürgerinnen und Bürger.
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