Teilhabe = die anderen sollen zahlen

02.10.2026@14:15
ISOS ade - Zelglischulhaus verhunzen

Seit dem 30. September 2026 liegt ein Bevölkerungsanliegen auf dem Tisch des Einwohnerrats: «Finanzielle Beteiligung an Taxikosten für mehr Sicherheit und Teilhabe junger Menschen». Kontaktperson Laura Pelosi, mitunterzeichnet von einem guten Dutzend Erwachsenen und einer Handvoll Kinder (!!!), Jahrgang 2008 bis 2016. Der Antrag in einem Satz: Die Stadt stellt Geld bereit, damit junge Menschen zwischen 16 und 20 Taxifahrten zurückerstattet bekommen. Vorschlag: 50 Franken pro Person und Jahr, gegen Quittung. Das soll für zwei bis drei Fahrten in Aarau ausreichen.

Die Begründung ist so ehrlich wie frech. Junge Leute rechnen noch, wird behauptet. Ein Taxi sei deshalb «keine realistische Option». Ab 16 gehe man aus, der Heimweg fühle sich im Bus, am Bahnhof oder zu Fuss nicht immer sicher an, «besonders bei FLINTA*-Personen» (steht übrigens nicht für Leute, die die Flinte ins Korn geworfen haben, sondern FLINTA = Frauen, Lesben, Intergeschlechtliche, Nichtbinäre, Trans und Agender Personen). Folge des Unsicherheitsgefühls laut Antrag: Man bleibt zu Hause, die Eltern verbieten den Ausgang, oder man geht trotzdem, mit «ungutem Bauchgefühl und pochendem Herzen». Die Lösung: die Stadtkasse (lies: Steuerzahler). Damit niemand wegen der unsicheren Heimkehr zu Hause bleiben muss und finanziellen Hürden niemanden davon abhalten, sich «für den sichereren Weg zu entscheiden».

Bahnhof Aarau

Übersetzt: Ich will Spass haben und andere sollen dafür bezahlen. Nicht ich, nicht die Eltern, sondern der Staat. Der letzte Bus ist keine Option, der Heimweg zu zweit ist ebenfalls altmodisch. Ich fahre Taxi, und die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, die arbeiten, ihre eigenen Heimwege organisieren und auch sonst schon für jeden Unsinn in Aarau mitzahlen, die sollen bitteschön auch die Taxifahrt bezahlen.

Kommentar Wäre es tatsächlich zuviel verlangt von den jungen Woken hinter diesem Anliegen (zum Teil wohnen sie in der Innenstadt, 1 Gehminute von der nächsten Bar entfernt!), wenn sie ein paar Stunden pro Woche arbeiten würden? Wer abends in den Ausgang kann, der hätte sicher auch Zeit für einen Job im Service! Die «Nebenwirkungen» eines Jobs sind grandios: Nicht nur gibt man nichts aus, während man arbeitet, es gibt nach getaner Arbeit auch noch etwas ins Kässeli. Aber eben, geradeaus denken ist keine Stärke der woken Truppe...

Gratis-Taxis für FLINTA ist kein Sicherheitskonzept! Wer nachts am Bahnhof Aarau ein ungutes Gefühl hat, der soll sich bei Silvia Dell'Aquila melden. Sie führt das Ressort Sicherheit und öffentlicher Raum. Statt den Ort zu räumen, gibt es SIP ohne polizeiliche Befugnisse, hellere Lampen, Stadtspaziergänge und ein Pilotprojekt «Urbane Sicherheit», dass dann in zwei oder drei Jahren Wirkung entfalten soll. Man bewirtschaftet das Problem, statt endlich Lösungen umzusetzen. Das Stadtmonitoring schreit seit Jahren nach mehr Sicherheit. Geliefert wird Sozialarbeit und viel blabla. Und jetzt sollen die Steuerzahler den jungen Leuten das Taxi zahlen, weil die zuständige Stadträtin die Situation am Bahnhof nicht in den Griff bekommt.

Zwei Tage vorher dasselbe Muster, nur grösser. Eine Petition fordert Gratis-Zmittag an Aargauer Schulen, notfalls ein Menu für höchstens sechs Franken, finanziert vom Staat. Begründung: Teilhabe, die Mensa als sozialer Treffpunkt, niemand darf wegen des Preises ausgeschlossen werden. Die Gegenrechnung von FDP-Grossrat Titus Meier: über 100 Millionen Franken. Heute der Teller, morgen das Taxi, übermorgen der Ausgang als Rechtsanspruch.

Gratis öffentlicher Nahverkehr

Und wer meint, mit Gratis-Zmittag und Taxigutscheinen seien alle Wünsche erfüllt, der lese die eidgenössische Volksinitiative, die «20 Minuten» am 2. Oktober 2026 vorstellt. Die Westschweizer Bewegung «Agissons!», im Komitee die SP-Nationalräte Brenda Tuosto und Christian Dandrès sowie die Grüne Delphine Klopfenstein Broggini, will Bus und Tram für alle gratis, das GA für höchstens drei Franken am Tag (1095 Franken im Jahr, heute knapp 4000) und den ganzen ÖV gratis für Jugendliche, Studierende, Lernende, Rentner und Leute mit tiefem Einkommen. Dazu ein ausgebautes Netz. Bezahlt aus einem Fonds von mindestens acht Milliarden Franken pro Jahr, gespeist von einer Mobilitätsabgabe für grosse Firmen und einer stärkeren Belastung teurer, «umweltschädlicher» Autos. Steuererhöhungen für die Bevölkerung? Angeblich keine. Aarau zahlt das Taxi, der Bund den Zug. Dieselbe wirre Idee, nur mit mehr Nullen.

So führt man das wirkungslose bedingungslose Grundeinkommen (BGE) durch die Hintertür ein. Nicht als Vorlage, über die man abstimmen kann, sondern scheibchenweise. Gratis-Taxi für den Heimweg, Gratis-Essen, Gratis-ÖV, Teilhabe. Marxistische Ideen ohne Ende, aufgewärmt im Agenda-2030-Sprech vom Niemanden-zurücklassen. Der Staat als Versorger, der Bürger als Anspruchsberechtigter, und am Schluss zahlen dann die Dummen, die noch arbeiten. Die Unterschriftenliste mit Zehnjährigen zeigt, woran die Eltern kranken.

Kommentar Teilhabe, das neue Zauberwort. Gemeint ist aber immer nur die bequeme Hälfte: mitprofitieren, mitessen, mitfahren. Die andere Hälfte, die im Wort steckt, wird weggekürzt. Teilhabe heisst nämlich auch, dass man etwas leistet und dann einen Teil abgibt. Dazugehören beim Nehmen und beim Geben. Wer nur die hohle Hand macht, hat nicht begriffen, worum es beim Dazugehören zur Gesellschaft wirklich geht. Jedes Mitglied einer Gesellschaft hat nämlich nicht nur Rechte, sondern eben auch Pflichten.

Aarau hat ein Problem mit Leuten, die jeden Wunsch und jede Unannehmlichkeit in eine Rechnung an die Allgemeinheit umwandeln. Es ist Zeit, dass wir Normalos endlich «nein» sagen.