Der folgende Beitrag im Regionaljournal Aargau Solothurn vom 23.10.2024 ist ein Paradebeispiel für Fake News und «unausgewogene Berichterstattung» beim Schweizer Staatsrundfunk SRF1:
Regionaljournal Aargau Solothurn 23.10.2024, 06:31 Uhr
Nicht nur werden Unwahrheiten verbreitet (der Mitteldamm ist nicht «künstlich» sondern natürlich gewachsenes Terrain, das sich zwischen zwei künstlich angelegten Kanälen befindet), sondern man lässt nach einem wahrlich spektakulären Urteil des Verwaltungsgerichts Aargau den CEO der unterlegenen Partei Eniwa ausführlich zu Wort kommen, während man die deutlich obsiegende Partei nicht einmal um eine Stellungnahme angefragt hat. Vermutlich hat man beim Staatssender die entsprechende Pressemitteilung gar nicht gelesen? In jedem Falle hat man sie nicht verstanden.
Update 31. Oktober 2024
Nach einer Intervention von Leo Keller (Präsident des
Vereins «Rettet den Mitteldamm»)
bei den Verantwortlichen für die einseitige
Berichterstattung gab es heute nun einen etwas
ausführlicheren und vor allem auch informativeren
Bericht im Staatsrundfunk SRF1:
Regionaljournal Aargau Solothurn 31.10.2024, 17:30 Uhr
Auch hier ist interessant, wie der
CEO der
vor dem Verwaltungsgericht AG unterlegenen
Eniwa herausstreicht, dass die «Strömungsoptimierung
im Kanal» einen Anteil von einem Drittel an der
Mehrstromproduktion habe. Das ist nicht unbedingt
falsch, aber trotzdem äusserst irreführend. Erstens
ist erwiesen, dass der Abriss des geschützen
Mitteldamms nur eine Mehrstromproduktion
von ca. 4 GWh/Jahr bringt Dieses Faktum wurde
von
den Anwälten der Eniwa im Einspracheverfahren
vor dem Aargauer Verwaltungsgericht
bestätigt.
4 GWh/Jahr entspricht wenig mehr als 3% der erwarteten Stromproduktion nach der «Optimierung des Wasserkraftwerks», und diese 4 GWh/Jahr entsprechen auch nur ca. 15% der erwarteten Mehrproduktion von 25 GWh/Jahr. Es muss also die Frage erlaubt sein, ob die komplette Zerstörung eines wertvollen Naherholungsgebiets in Anbetracht dieser Tatsache wirklich im Interesse der Bevölkerung liegt.
Zweitens kann man auch mit einem bescheidenen Grundwissen in Strömungslehre zeigen, dass es mehrere Alternativen gibt, um die Strömung im Oberkanal des Kraftwerks zu verbessern. Damit wären wir nun beim wichtigsten Punkt in dieser ganzen Angelegenheit: Die Eniwa sieht einzig deshalb keine Alternativen zum Abriss des Mitteldamms, weil sie keine Alternativen sehen will. Das erfreuliche Gerichtsurteil bedeutet nun aber, dass sich die Eniwa genau mit diesen Alternativen auseinandersetzen muss. Die Zeit der faulen Ausreden ist endgültig vorbei, unsere Gesetze gelten auch für die mächtige Eniwa.
Ideen für Alternativen könnte man sich an verschiedenen
Orten besorgen. Das IFD
(Institute of Fluid Dynamics) der ETH Zürich hat ganz
sicher eine Latte von Vorschlägen. Oder wie wäre es mit
einem Eniwa-Firmenausflug ins Wallis? Den Kopf etwas lüften
auf einer schönen Suonen-Wanderung, und vielleicht
sieht man da ja ein paar Dinge, die sich über Jahrhunderte
bewährt haben?
Wer in seinem Leben schon ein paar erfolgreiche Projekte hinter sich hat, der weiss jedenfalls: Es ist besser, auf halbem Wege umzukehren, als auf dem falschen Weg zu bleiben.
Hier sind weitere Beiträge zum Mitteldamm, für dessen Erhalt ich mich persönlich einsetze, auch in meiner politischen Arbeit:
- 23.10.2024: Eile mit Weile beim Mitteldamm
- 17.09.2024: «viva» el Mitteldamm
- 11.09.2024: «Amazonas der Schweiz»
PS: Es ist übrigens nie zu spät, den Wert dieses einmaligen Erholungsraums zu erkennen und sich für den Erhalt des Mitteldamms einzusetzen:
- Petition für den Erhalt des Mitteldamms unterzeichnen
- Mitglied werden im Verein «Rettet den Mitteldamm»
- Patronat für 1m Mitteldamm übernehmen (Aktion Meter-um-Meter, siehe dazu auch diesen Bericht in der AZ vom 06.01.2024)
- Familie, Freunde, Bekannte und Schul- und Arbeitskolleginnen auf die Problematik aufmerksam machen und sie dazu animieren, ebenfalls mitzumachen — in einem ersten Schritt kann man dazu einladen, die Petition zu unterzeichnen. Der Aufwand ist minim (2 Minuten), und je mehr Unterschriften zusammenkommen, desto besser.