Fake News im Staatsrundfunk

29.10.2024@17:32 [Aktualisiert 31.10.2024@22:18]
Weckruf

Der folgende Beitrag im Regional­journal Aar­gau Solo­thurn vom 23.10.2024 ist ein Parade­beispiel für Fake News und «un­aus­ge­wogene Bericht­er­stat­tung» beim Schweizer Staats­rund­funk SRF1:

Regionaljournal Aargau Solothurn 23.10.2024, 06:31 Uhr

Nicht nur werden Un­wahr­heiten ver­breitet (der Mittel­damm ist nicht «künst­lich» son­dern natür­lich ge­wachsenes Terrain, das sich zwischen zwei künst­lich ange­legten Kanälen befindet), sondern man lässt nach einem wahr­lich spekta­ku­lären Ur­teil des Ver­waltungs­gerichts Aargau den CEO der unter­legenen Partei Eniwa aus­führ­lich zu Wort kom­men, während man die deut­lich ob­siegende Partei nicht ein­mal um eine Stellung­nahme ange­fragt hat. Ver­mut­lich hat man beim Staats­sender die ent­sprechende Presse­mit­teilung gar nicht gelesen? In jedem Falle hat man sie nicht ver­standen.

Update 31. Oktober 2024
Nach einer Inter­vention von Leo Keller (Prä­si­dent des Vereins «Ret­tet den Mit­tel­damm») bei den Ver­ant­wort­lichen für die ein­sei­tige Be­richt­er­stat­tung gab es heute nun einen etwas aus­führ­licheren und vor allem auch infor­mati­veren Bericht im Staats­rund­funk SRF1:

Regionaljournal Aargau Solothurn 31.10.2024, 17:30 Uhr

Auch hier ist inter­es­sant, wie der schockiert! CEO der vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt AG unter­legenen Eniwa heraus­streicht, dass die «Strömungs­opti­mie­rung im Kanal» einen Anteil von einem Drit­tel an der Mehr­strom­pro­duktion habe. Das ist nicht unbe­dingt falsch, aber trotz­dem äusserst irre­führend. Erstens ist er­wiesen, dass der Ab­riss des ge­schützen Mit­tel­damms nur eine Mehr­strom­pro­duktion von ca. 4 GWh/Jahr bringt Dieses Faktum wurde von den An­wälten der Eniwa im Ein­sprache­­ver­fahren vor dem Aar­gauer Ver­wal­tungs­ge­richt be­stätigt.

4 GWh/Jahr ent­spricht wenig mehr als 3% der er­war­teten Strom­pro­duktion nach der «Opti­mie­rung des Was­ser­kraft­werks», und diese 4 GWh/Jahr ent­spre­chen auch nur ca. 15% der er­war­teten Mehr­pro­duktion von 25 GWh/Jahr. Es muss also die Frage erlaubt sein, ob die kom­plette Zer­stö­rung eines wert­vollen Nah­er­holungs­gebiets in An­be­tracht dieser Tat­sache wirk­lich im Inter­esse der Bevöl­kerung liegt.

Zweitens kann man auch mit einem be­schei­denen Grund­wis­sen in Strö­mungs­lehre zeigen, dass es mehrere Alter­na­ti­ven gibt, um die Strö­mung im Ober­kanal des Kraft­werks zu ver­bessern. Damit wären wir nun beim wich­tigs­ten Punkt in dieser ganzen An­ge­legen­heit: Die Eniwa sieht ein­zig des­halb keine Al­ter­na­tiven zum Ab­riss des Mit­tel­damms, weil sie keine Al­ter­na­ti­ven sehen will. Das erfreuliche Gerichts­urteil bedeutet nun aber, dass sich die Eniwa genau mit diesen Alter­nativen aus­einan­der­setzen muss. Die Zeit der faulen Aus­reden ist end­gültig vorbei, unsere Gesetze gelten auch für die mächtige Eniwa.

Ideen für Alter­nativen könnte man sich an ver­schie­denen Orten be­sorgen. Das IFD (Insti­tute of Fluid Dyna­mics) der ETH Zürich hat ganz Bisse du Ro (Suone Ro) sicher eine Latte von Vor­schlägen. Oder wie wäre es mit einem Eniwa-Firmen­aus­flug ins Wallis? Den Kopf etwas lüften auf einer schönen Suonen-Wan­de­rung, und viel­leicht sieht man da ja ein paar Dinge, die sich über Jahr­hunderte bewährt haben?

Wer in seinem Leben schon ein paar erfolg­reiche Projekte hinter sich hat, der weiss jeden­falls: Es ist besser, auf halbem Wege um­zu­kehren, als auf dem falschen Weg zu bleiben.



Hier sind weitere Beiträge zum Mittel­damm, für des­sen Er­halt ich mich persönlich einsetze, auch in meiner politischen Arbeit:



PS: Es ist übrigens nie zu spät, den Wert dieses ein­maligen Er­ho­lungs­raums zu er­ken­nen und sich für den Er­halt des Mit­tel­damms ein­zu­setzen: