Die Absichten des Aarauer Stadtrats in der Telli sind der Botschaft 2025-289 zu entnehmen. Ein langes Dokument, und viele der «Kärtlein» sind so klein und unscharf gehalten, dass auch Brille oder Lupe nichts nützen. Ebenfalls äusserst bescheiden ist der Informationsgehalt in Bezug auf die Strategie, die man im Rathaus verfolgt - kurz zusammengefasst will man 22.6 Mio. ausgeben für 7'722 m2 Land (Parzelle 850 mit 3'526 m2 und Parzelle 851 mit 4'192 m2) inkl. div. Bauten aus den 70er Jahren (schon den zweiten Winter mit Notheizung) — das wären dann fast 3'000 Franken pro Quadratmeter:
- Für rund 5 Mio. will man dem Kanton die Parzellen 850 und 851 abkaufen (nur das Land).
- Weiter sollen an den Kanton fliessen: 17.6 Mio für das Hallenbad (Baujahr 1973) (inkl. die im gleichen Gebäude untergebrachten Turnhallen). Gemäss Vertrag kauft die Stadt die neue Turnhalle (Gebäude 5247) nicht; der Kanton ist für den Rückbau verantwortlich.
Es lässt sich immer diskutieren über Preise, aber um diesen «Deal» korrekt zu beurteilen, sollten im voraus ein paar wichtige Fragen geklärt sein:
- Restbetriebsdauer: Über welchen Zeithorizont soll (= Absicht) resp. kann (technisch und ökonomisch sinnvoll) das Hallenbad realistischerweise noch weiterbetrieben werden und mit welchen Kosten und Erträgen ist für diesen Restbetrieb zu rechnen?
- Was geschieht am Ende dieser Restbetriebsdauer (Renovation, Rückbau, Ersatzbau, ...) und was sind die Kosten für das jeweilige Szenario?
Der gesunde Menschenverstand sagt mir, dass ein Hallenbad aus den 70er-Jahren keinen Wert mehr hat. Reisst man das Gebäude ab, so bedeutet das auch das Aus für die Turnhallen, ergo ist auch der Wert der Turnhallen gleich 0. Es stellt sich also die folgende Frage: Wieso sollen wir Steuerzahlerinnen und Steuerzahler 22.6 Mio ausgeben für ein Stück Land, das mit CHF 5 Mio. bewertet ist? Hat der Stadtrat Kenntnis von einem grossen Öl- oder Gasvorkommen, oder will man dort nach Gold nach schürfen?
Fehlanzeige - man will in der Telli die Sportanlage zerstören und die Mammut-Schule bauen, entweder sofort oder dann auf Raten. Der Stadtrat will nämlich vom Kanton auch das von den Ortsbürgern gewährte Baurecht für die Leichtathletikanlage übernehmen, damit man die Anlage ersatzlos eliminieren kann. Die Zerstörung dieser (gemäss RESAK des Planungsverbands aarau regio) als «Sportanlage von regionaler Bedeutung» eingestuften Sportinfrastruktur würde viele Vereine und Clubs (Hunderte von Mitgliedern) auf einen Schlag heimtlos machen und unzählige Tellianerinnen und Tellianer, vor allem Kinder und Jugendliche, sehr hart treffen.
Gemäss Antwort des Stadtrats vom 10. März 2025 sind die Pläne für das Hallenbad wie folgt: Man will sanieren und das Hallenbad für weitere 20 bis 25 Jahre betreiben. Über die Kosten schweigt man. Einzig eine Schätzung aus dem Jahre 2016 existiert: Damals hätte eine Sanierung rund 40 Millionen Franken gekostet. Heute müsste man wohl eher mit 50+ Millionen rechnen. Das Szenario «Mammut-Schule auf Raten» muss jedem vernünftigenen Menschen Angst machen.
Wie ist nun in Anbetracht dieser Tatsachen die Ankündigung zu werten, dass der Stadtbaumeister den Bettel auf Ende 2025 hinwirft? Insbesondere unter Berücksichtigung der Tatsache, dass auf den gleichen Zeitpunkt hin auch ganze 4 von 7 Stadträten zurücktreten werden? Nach mir die Sintflut!
Es gibt allerdings auch Hoffnung. Eine Gruppe engagierter Personen — seit 2023 bekannt als «Aarau auf Kurs» — hat ein Positionspapier publiziert, das die Schulraumplanung und die Sportinfrastrukturplanung geschickt vernetzt und aufzeigt, wie man mit bescheidenen Mitteln deutlich bessere Lösungen realisieren könnte.
Wer JA sagt zur Mammut-Schule, der muss realisieren, dass er automatisch NEIN sagt zum Sport. Jede andere Interpretation ist unehrlich!
Weiterlesen: «Rathaus-Strategie» — Teil 2