«Rathaus-Strategie» — Teil 1

09.03.2025@13:15
Sportanlage Telli zerstören

Die Absichten des Aarauer Stadt­rats in der Telli sind der Bot­schaft 2025-289 zu ent­nehmen. Ein langes Doku­ment, und viele der «Kärt­lein» sind so klein und un­scharf gehalten, dass auch Brille oder Lupe nichts nützen. Eben­falls äusserst be­schei­den ist der Infor­mations­gehalt in Bezug auf die Strategie, die man im Rat­haus ver­folgt - kurz zu­sammen­gefasst will man 22.6 Mio. ausgeben für 7'722 m2 Land (Parzelle 850 mit 3'526 m2 und Parzelle 851 mit 4'192 m2) inkl. div. Bauten aus den 70er Jahren (schon den zweiten Winter mit Not­heizung) — das wären dann fast 3'000 Franken pro Quadratmeter:

P850/P851

  • Für rund 5 Mio. will man dem Kanton die Par­zellen 850 und 851 ab­kaufen (nur das Land).
  • Weiter sollen an den Kanton fliessen: 17.6 Mio für das Hallen­bad (Bau­jahr 1973) (inkl. die im gleichen Gebäude unter­ge­brachten Turn­hallen). Gemäss Vertrag kauft die Stadt die neue Turn­halle (Gebäude 5247) nicht; der Kanton ist für den Rück­bau verant­wortlich.

Es lässt sich immer disku­tieren über Preise, aber um diesen «Deal» korrekt zu beurteilen, sollten im voraus ein paar wichtige Fragen geklärt sein:

  • Rest­betriebs­dauer: Über welchen Zeit­horizont soll (= Absicht) resp. kann (technisch und öko­nomisch sinn­voll) das Hallen­bad realistischer­weise noch weiter­betrieben werden und mit welchen Kosten und Erträgen ist für diesen Rest­betrieb zu rechnen?
  • Was geschieht am Ende dieser Rest­betriebs­dauer (Reno­vation, Rück­bau, Ersatz­bau, ...) und was sind die Kosten für das jeweilige Szenario?

Der gesunde Menschen­verstand sagt mir, dass ein Hallen­bad aus den 70er-Jahren keinen Wert mehr hat. Reisst man das Gebäude ab, so bedeutet das auch das Aus für die Turn­hallen, ergo ist auch der Wert der Turn­hallen gleich 0. Es stellt sich also die folgende Frage: Wieso sollen wir Steuer­zahle­rinnen und Steuer­zahler 22.6 Mio aus­geben für ein Stück Land, das mit CHF 5 Mio. bewertet ist? Hat der Stadt­rat Kenntnis von einem grossen Öl- oder Gas­vor­kommen, oder will man dort nach Gold nach schürfen?

Telli zerstören

Fehlanzeige - man will in der Telli die Sport­anlage zer­stören und die Mammut-Schule bauen, ent­weder sofort oder dann auf Raten. Der Stadt­rat will näm­lich vom Kanton auch das von den Orts­bürgern ge­währte Bau­recht für die Leicht­athletik­anlage über­nehmen, damit man die Anlage ersatz­los elimi­nieren kann. Die Zer­störung dieser (gemäss RESAK des Planungs­verbands aarau regio) als «Sport­anlage von regio­naler Bedeutung» einge­stuften Sport­­infra­­struktur würde viele Vereine und Clubs (Hunderte von Mit­gliedern) auf einen Schlag heimt­los machen und unzählige Telliane­rinnen und Tellianer, vor allem Kinder und Jugendliche, sehr hart treffen.

Gemäss Antwort des Stadtrats vom 10. März 2025 sind die Pläne für das Hallen­bad wie folgt: Man will sanieren und das Hallen­bad für weitere 20 bis 25 Jahre betreiben. Über die Kosten schweigt man. Einzig eine Schätzung aus dem Jahre 2016 existiert: Damals hätte eine Sanierung rund 40 Millionen Franken gekostet. Heute müsste man wohl eher mit 50+ Millionen rechnen. Das Szenario «Mammut-Schule auf Raten» muss jedem vernünftigenen Menschen Angst machen.

Wie ist nun in Anbe­tracht dieser Tat­sachen die An­kündi­gung zu werten, dass der Stadt­bau­meister den Bettel auf Ende 2025 hin­wirft? Ins­besondere unter Berück­sichti­gung der Tat­sache, dass auf den gleichen Zeit­punkt hin auch ganze 4 von 7 Stadt­räten zurück­treten werden? Nach mir die Sintflut!

Es gibt allerdings auch Hoffnung. Eine Gruppe enga­gierter Personen — seit 2023 bekannt als «Aarau auf Kurs» — hat ein Positions­papier publi­ziert, das die Schul­raum­planung und die Sport­infra­struktur­planung geschickt ver­netzt und auf­zeigt, wie man mit bescheidenen Mitteln deut­lich bessere Lösungen reali­sieren könnte.

Wer JA sagt zur Mammut-Schule, der muss reali­sieren, dass er auto­ma­tisch NEIN sagt zum Sport. Jede andere Inter­pre­tation ist un­ehr­lich!



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