Leerer Kopf und leere Ständer

26.08.2026@18:30
Blockierte taktile Leitlinien am Bahnhof Aarau

Nicht fehlende Veloständer sind das Problem – sondern Faulheit und Rücksichtslosigkeit gewisser Zeitgenossen.

Die Aargauer Zeitung titelte kürzlich, die SVP kritisiere «überfüllte Veloständer» am Bahnhof Aarau. Das ist natürlich kompletter Unsinn. Nadja Rohner (nro, AZ) ist — wie bei vielen anderen Themen (siehe hier und hier) — völlig faktenfrei unterwegs: Erstens habe ich weder «volle» noch «überfüllte Veloständer» moniert, zweitens hat es immer ausreichend freie Veloständer am Bahnhof oder wenigstens in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs. Es ist genau diese ständige Tatsachenverdrehungen der Medien, welche die wahren Ursachen von Problemen verdeckt.

Anfrage an den Stadtrat vom 19. August 2026: «Spezialrechte für Zweiräder? Blockierte Leitlinien am Bahnhof Aarau». Bericht AZ: «Bahnhof Aarau: SVP kritisiert überfüllte Veloständer».

In meiner Anfrage steht mit keinem Wort, die Veloständer seien voll oder gar übervoll. Es käme mir auch nie in den Sinn, so einen Unsinn zu behaupten. Konkret steht in der Anfrage: Seit Jahren werden die für sehbehinderte Personen eingerichteten taktilen Leitlinien systematisch blockiert. Einzelne Zugänge sind praktisch immer zugestellt – unabhängig von Jahreszeit oder Tageszeit. Das ist ganz speziell für Sehbehinderte ein Ärgernis, vor allem für Reisende von auswärts. Im Ernstfall können diese Blockaden eine einfache und rasche Evakuation des Bahnhofs behindern oder gar verunmöglichen.

Illegal abgestelltes Zweirad 1 Illegal abgestelltes Zweirad 2 Illegal abgestelltes Zweirad 3 Illegal abgestelltes Zweirad 4 Illegal abgestelltes Zweirad 5
Leere Köpfe
Leerer Veloständer 1 Leerer Veloständer 2 Leerer Veloständer 3 Leerer Veloständer 4 Leerer Veloständer 5 Leerer Veloständer 6
Leere Ständer
26-AUG-2026@10:00 mehr als 100 leere Plätze

Wer das Problem auf «volle Ständer» reduziert, der verdrängt die wahre Ursache für das Problem: Faulheit und Rücksichtslosigkeit gewisser Zweiradfahrer!

Wer am Bahnhof Aarau ein Velo abstellen will, der findet eigentlich immer einen legalen Platz. Nicht immer direkt neben der Unterführung, dem nächsten Eingang oder der beliebtesten Ecke. Aber in der näheren Umgebung. Manchmal eine Etage höher. Manchmal ein paar Dutzend Schritte weiter.

Genau das ist der Punkt: Bestimmte Zweiradfahrer stellen ihren Göppel rücksichtslos auf Leitlinien, vor Türen oder in schmale Durchgänge, obwohl wenige Meter entfernt Abstellplätze leer stehen.

Wir haben also kein Infrastrukturproblem, sondern ganz einfach zu viele Zeitgenossen, die faul und rücksichtslos sind!

es hat genug Abstellplätze

Auch das Stadtbauamt Aarau ist der Meinung, dass es am Bahnhof beziehungsweise in Bahnhofsnähe ausreichend Veloparkplätze gibt. Wer das Gegenteil behauptet, entschuldigt das eigene Verhalten mit einem Mangel, den es gar nicht gibt.

Übrigens: Ein Autofahrer hat ebenfalls keinen Anspruch auf einen freien Parkplatz direkt vor dem Bahnhofseingang. Er parkiert — kostenpflichtig — dort, wo es erlaubt ist – oder er wird gebüsst, oder das Fahrzeug wird abgeschleppt. Bei Zweirädern gilt in Aarau offenbar eine andere Logik.

Zwei Massstäbe, ein öffentlicher Raum

Die Stadt erzieht Autofahrer mit Verboten, Kontrollen, Bussen und Parkgebühren. Das funktioniert. Bei uneinsichtigen und fehlbaren Zweiradfahrern kommt diese bewährte Methode nicht zur Anwendung. Falsch und behindernd parkierte Zweiräder (resp. die fehlbaren Lenker) werden geschont. Wieso wird nicht konsequent gebüsst? Wieso werden falsch abgestellte Velos nicht eingezogen und nur gegen Gebühr wieder freigegeben? Der Masterplan Veloparkierung der Stadt Aarau sieht doch genau solche Instrumente vor?.

Meine Fragen an den Stadtrat sind zwar unbequem, aber berechtigt:

  • Weshalb werden Halterinnen und Halter falsch und behindernd parkierter Zweiräder – insbesondere auf taktilen Leitlinien, Fluchtwegen und in Durchgängen – nicht konsequent gebüsst?
  • Weshalb werden solche Zweiräder nicht einfach eingezogen und nur gegen Gebühr wieder freigegeben?
  • Welche speziellen Rechte geniessen Zweiradfahrer in Aarau, nicht nur am Bahnhof, wenn es um Parkierregeln und Sicherheitsvorschriften geht?
  • Wie viele Kontrollen gab es in den letzten zwölf Monaten im Bahnhofsbereich – und wie viele Ordnungsbussen?
  • Welche konkreten Massnahmen ergreift die Stadt, um die taktilen Leitlinien dauerhaft freizuhalten?
  • Wie ist die Zuständigkeit zwischen Stadt, SBB und Betreibern der Velostationen geregelt – und warum greift sie bei offensichtlichen Missständen nicht?
  • Gehört die Freihaltung der Leitlinien zum Pilotprojekt «Urbane Sicherheit: Pilot Bahnhof Aarau» – und wenn ja, bis wann sind Resultate zu sehen?

Kein Kulturkampf gegen das Velo

Taktile Leitlinien sind keine Dekoration. Sie sind Orientierungshilfe für Menschen, die den Bahnhof sonst nicht selbstständig nutzen können. Wer sie zuparkt, nimmt diesen Menschen die Sicherheit. Wer Fluchtwege zuparkt, nimmt allen die Reserve für den Ernstfall.

Rücksicht kostet ein paar Schritte. Wer diese Schritte verweigert, soll die Konsequenz tragen – wie jeder andere Verkehrsteilnehmer auch. Spezialrechte für Zweiräder braucht niemand. Was es braucht, ist dieselbe Regel für alle: Wer illegal parkiert, wird gebüsst. Fahrzeuge, die Leitlinien und Durchgänge blockieren, werden konsequent entfernt. Wer das nicht will, stellt das Velo dorthin, wo es hingehört.