Journalisten (alle Geschlechter dürfen sich angesprochen
fühlen) schreiben gern und viel, aber Quantität
darf auch in diesem Business nicht verwechselt werden
mit Qualität. Nicht selten werden Leserinnen und
Leser mit einem «Mix aus Facts und Fiction»,
angereichert mit der eigenen Meinung, bedient.
Schön, wenn die eigene Meinung zur Abwechslung mal
nicht in die Berichterstattung eingewoben ist,
sondern in einer separaten Kommentarspalte publiziert
wird. In einem Kommentar,
der in der AZ vom 25.10.2024 erschienen ist, zieht
Nadja Rohner
über den Einwohnerrat (und speziell über die SVP Aarau)
her und stellt im Zusammenhang mit unseren Anfragen
an den Stadtrat von Aarau ketzerisch die
rethorische Frage, ob der Erkenntnisgewinn
[sic: dank der Antworten des Stadtrats] wirklich den
grossen personellen und finanziellen Aufwand
rechtfertigt?
Könnte man natürlich so stehen lassen. Andererseits: Wieso soll ein selberdenker das Denken einer Journalistin überlassen? Leuchten wir die Thematik doch einmal etwas aus, und schauen wir uns die Vorwürfe an, zuerst in einer Kurzversion:
Es ist offensichtlich, dass ein (zu) kleiner oder gar fehlender Erkenntnisgewinn mindestens drei Ursachen haben könnte:
- Alle gestellten Fragen waren schon vorher beantwortet; in diesem Falle würde ich beipflichten, dass es nicht sehr intelligent war, die betreffenden Fragen zu stellen; aber ich wage zu Behaupten, dass unsere Anfragen nicht in diese Kategorie gehören...
- Die Qualität und/oder der Informationsgehalt der Antworten ist dergestalt, dass ein Erkenntnisgewinn tatsächlich nicht möglich ist; dieses Phänomen erlebe ich tatsächlich mit schöner Regelmässigkeit: Ich habe z.B. hier eine klare Frage gestellt («Zahlungen an Mobility»), aber leider keine Antwort erhalten auf diese Frage - so musste ich noch einmal die exakt gleiche Frage stellen, und im zweiten Anlauf hat es mit der Antwort dann auch geklappt; es bleibt aber anzufügen, dass auch die zweite Antwort derart unvollständig war, dass ich direkt bei Mobility nachhaken musste (dem Steuerzahler sind dabei keine zusätzlichen Kosten entstanden!).
- Die Person, die einen Mangel (oder die Abwesenheit) eines Erkenntnisgewinns reklamiert, kann (oder will) die Antworten nicht verstehen; ich bleibe höflich und erspare mir einen Kommentar...
Man kann die haltlosen Vorwürfe von Nadja Rohner auch noch etwas ausführlicher kontern:
- Verwaltung wird mit Anfragen eingedeckt...
Ich weiss, dass ich gerne Fragen stelle, vor allem unbequeme. Gute und präzise Fragen sind aber häufig der erste (notwendige) Schritt, um etwas zu verstehen. Haben wir doch in der Schule gelernt, oder? Es gibt keine dummen Fragen, nur dumme Antworten. Mir liegt viel an einer transparenten Verwaltung (Ziele, Kosten, Auswirkungen, ...), und weil Stadtrat und Verwaltung häufig lieber Propaganda verbreiten, statt Fakten und erhellende Informationen zu liefern, bleibt dem Einwohnerrat leider gar nichts anderes übrig, als regelmässig ein paar harte und präzise Fragen zu stellen. Kommt dazu, dass sich der Stadtrat häufig bockig stellt und meine Fragen nur unvollständig (und teilweise sogar falsch oder überhaupt nicht) beantwortet, so dass ich dazu gezwungen bin, die exakt gleichen Fragen mehrfach zu stellen. Würden der Stadtrat und die Verwaltung proaktiv, offen und faktisch korrekt informieren, ich würde garantiert keine Fragen stellen. - ...[sic: Anfragen], deren Beantwortung komplex und aufwendig ist
In jedem professionell und gut geführten Projekt gibt es Entscheidungspunkte (man fällt einen «go / no go»-Entscheid). Manchmal werden die relevanten Informationen, die für einen solchen Entscheid notwendig sind, in einem Vorprojekt erarbeitet. Es gibt dabei eine Vielzahl von Konstellationen, die zu einem «no go»-Entscheid» oder gar zum Abbruch eines laufenden Projekts führen können:- aktualisierte Beurteilung des erwarteten Nutzens sinkt unter die aktualisierte Beurteilung der erwarteten Kosten («NPV-negatives Projekt»)
- die effektiven Kosten entwickeln sich (deutlich) höher als die erwarteten Kosten
- die effektiven Erträge entwickeln sich (deutlich) tiefer als die erwarteten Erträge
- das Umfeld hat sich im Vergleich zu den ursprünglichen Rahmenbedingungen negativ verändert
- ...
- grosser personeller und finanzieller Aufwand
Der Stadtrat behauptet mit schöner Regelmässigkeit, dass die Kosten für die Beantwortung von Anfragen sich im Bereich von 200 Franken bis vielleicht 800 Franken bewegen sollen (nicht ausgeschlossen, dass es auch mal etwas mehr ist). Setzt man diese Kosten ins Verhältnis zu den Beträgen, die mit ESG-Projekten (die erwiesenermassen nicht nur keinen Nutzen stiften, sondern verschiedentlich exorbitante Schäden anrichten) verschleudert werden, so kann ich nur Lachen. Die Stadt Aarau hat — ohne mit der Wimper zu zucken — den satten Betrag von 20'000 Franken ausgegeben, um der privaten Firma Mobility zu 25 neuen Kunden zu verhelfen. Hätte man dieses Umerziehungsprojekt nicht durchgeführt, so hätte man sich nicht nur 20'000 Franken gespart, sondern auch die Aufwände für die Beanwortung meiner zwei Anfragen. Aus meiner Sicht erstaunlich ist, dass bei der Presse niemand erkannt hat (und bis heute nicht darüber geschrieben hat), dass a) nur 25 Mobility-Gutscheine von Neukunden eingelöst wurden und b) jeder Neukunde die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler unglaubliche 800 Franken gekostet hat (womit wir wieder bei den möglichen Ursachen für das Fehlen eines Erkenntnisgewinns wären...).
Was ist nun der Erkenntnisgewinn? Aarau kann es besser!
PS: «Überlastung» ist häufig eine direkte Folge von suboptimalem Zeit-Management; die Eisenhower-Methode kann nicht nur in der Privatwirtschaft Abhilfe schaffen...