KIFF 2.0 — Wer wusste wann was?

22.10.2026@14:45
KIFF Neubau Aarau – Fragen zur Finanzierung

Die Informationen und Behauptungen zur Finanzierung des KIFF-Neubaus in Aarau weisen eine ganze Reihe von Unstimmigkeiten auf, die sich auch durch die amtlichen Dokumente ziehen. Der ursprüngliche Kostenvoranschlag von 28,823 Millionen Franken (Baupreisindex April 2021) wurde über Jahre hinweg als verbindliche Zahl geführt – obwohl der Baupreisindex zwischenzeitlich stark gestiegen war (von 102.2 bis auf 118.1 im April 2025), die Mehrwertsteuer per 1.1.2024 von 7,7 auf 8,1 Prozent erhöht wurde und Sparmassnahmen sowie Scope-Anpassungen vorgenommen wurden, die im Konflikt standen mit Vereinbarungen zwischen KIFF und dem Kanton.

Besonders brisant ist der «vorläufige» (also temporäre) Verzicht auf den Ausbau der Bandräume, obwohl diese im Vertrag mit dem Kanton AG explizit als Lieferobjekt erwähnt waren. In der Beantwortung einer früheren Anfrage hat der Stadtrat am 24. August 2026 selbst bestätigt, dass die 28,823 Millionen nur unter Berücksichtigung von Sparmassnahmen und diesem vorläufigen Verzicht gehalten werden konnten. In der Botschaft vom 18. Mai 2026 und in der Abstimmungsbroschüre zur Urnenabstimmung vom 27. September 2026 fehlt dieser zentrale Hinweis jedoch vollständig. Stattdessen behauptet der Stadtrat, der Finanzierungsnachweis sei im Sommer 2025 vollständig erbracht worden.

Beleg aus der Beantwortung GV 2026–2029/58 (24. August 2026), Seite 3, Antwort auf Frage 3:

«Mit der Kostenkontrolle vom 27. Juni 2025 wurden bereits Mehrkosten gegenüber dem Kostenvoranschlag von CHF 819 000 ausgewiesen, die aber durch Sparmassnahmen und dem vorläufigen Verzicht auf den Bandraumausbau zum Zeitpunkt des Finanzierungsnachweises noch aufgefangen werden konnten.»

→ Vollständige Beantwortung des Stadtrats (PDF)

Auch der Baubeginn am 28. Juni 2024 erfolgte, obwohl die vollständige Finanzierung – entgegen der 2022er-Zusicherung – zu diesem Zeitpunkt nicht nachgewiesen war. Der Nachweis kam erst über ein Jahr später. Zudem wurde die Auszahlung der verbleibenden 2 Millionen Franken aus dem zinslosen Darlehen vorläufig sistiert, nachdem im April 2026 die seit Jahren erkennbare Finanzierungslücke nicht mehr länger unter dem Deckel gehalten werden konnte.

Hinweis: Schon 2021 wurden präzise Schätzungen gemacht, die weit über den behaupteten (völlig unrealistischen) offiziellen Kosten von CHF 28,823 Mio. lagen, wie sie vom Verein KIFF, vom Vorstand und vom Stadtrat verbreitet wurden.

Diese und weitere Widersprüche zwischen den verschiedenen amtlichen Unterlagen (Botschaften, Abstimmungsbroschüren, Beantwortungen) werfen die Frage auf, wer zu welchem Zeitpunkt welche Informationen hatte und welche Entscheidungen auf welcher Grundlage getroffen wurden.

Mit der Anfrage vom 22. Oktober 2026 an den Stadtrat sollen genau diese offenen Punkte geklärt werden: Wann und durch wen die Stadt vom vorläufigen Bandraum-Verzicht Kenntnis erhielt, ob dieser im KIFF-Schreiben vom 31. Juli 2025 ausdrücklich erwähnt war, welche Kostenkontrollen und Protokolle vorlagen, wann die Sistierung der 2 Millionen erfolgte und wie der 2025er-Finanzierungsüberschuss von rund 109’000 Franken in die späteren Berechnungen einfloss. Die Anfrage verlangt eine chronologische Übersicht aller Änderungen mit Datum der Kenntnisnahme durch den Stadtrat.

Zur besseren Übersicht habe ich zwei Hilfsmittel erstellt:

  • Interaktive Timeline mit den zentralen Daten, der Gabel der Kostenlinien (mit/ohne Bandraum-Ausbau) und der indexierten Effektivlinie.
  • Konsistenzanalyse der Timeline im Abgleich mit den öffentlich verfügbaren Quellen (Botschaften, Broschüren, Beantwortungen).

Die Antworten des Stadtrats auf die Anfrage werden zeigen, ob die Unstimmigkeiten auf unvollständige Information, unterschiedliche Bewertungen oder bewusste Entscheidungen zurückzuführen sind. Transparenz ist hier nicht nur wünschenswert, sondern notwendig – gerade weil es um öffentliche Mittel und um Zusagen geht, die Stadträtin Suzanne Marclay-Merz im Einwohnerrat resp. der Stadtrat im Abstimmungsbüchlein machten.



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