Eine Gruppe von «moralisch Erleuchteten» (lies: Linken) hat am 19. Januar 2026 im Aarauer Einwohnerrat für alle sichtbar demonstriert, wie politische Epressung und moderne Zensur im Jahre 2026 funktionieren.
Die vereinte Aarauer Linke hat sich vor der Sitzung abgesprochen. Mir wurden ein paar Stunden vor der Sitzung meine «Verfehlungen» (gemäss Katalog der Linken) telefonisch übermittelt — keine Gesetzesverstösse, wohlverstanden, nur «nicht akzeptables Verhalten» gemäss linker Gesinnungspolizei. Es wurde mir unmissverständlich dargelegt, dass meine Wahl in die Finanz- und Geschäftsprüfungskommission FGPK unerwünscht sei. Man wollte die SVP Aarau dazu «zwingen», die Kandidatur mit einer anderen Personalie zu bestücken (das wurde natürlich nicht explizit so gesagt, aber das ist genau das perfide an diesen Methoden). Ob ein Kandidat geeignet ist oder nicht, das soll nun also auch in Aarau primär davon abhängen, ob er «korrekt» denkt und ob er «auf die richtige Art» schreibt.
Und genau hier betreten wir die schöne neue Welt der modernen Zensur.
Moderne Zensur funktioniert nicht mit dem klassischen roten Stift. Es wird auch nicht mit Busse oder Gefängnis gedroht, denn schliesslich werden überhaupt keine Gesetze verletzt. Es geht hier um reine Willkür, und man arbeitet mit sozialen und institutionellen Kältezonen: Der Stil ist unzumutbar. Der darf nicht auf dem Podium stehen. Der kommt auf eine Sanktionsliste (Jacques Baud lässt grüssen). Den wählen wir nicht in dieses Gremium. Um die «Klimakatastrophe» zu verhindern, würde man mir natürlich auch gerne das Autofahren verbieten (ode wäre Mobility akzeptabel?). Sperren wir ihn doch ein in seinem Quartier, er hat ja dort einen Begegnungsort. Und «Netto-Null» wäre ebenfalls einfacher zu erreichen, wenn ich kein CO2 ausatmen würde. Man muss kein Hellseher sein, um zu sehen, wohin es geht. Mit Zensur und ohne Störenfriede ist es einfacher, die Agenda 2030 einzuführen und in Aarau Parkplätze abzubauen (die Linken hassen es, wenn jemand ihre schmutzigen Tricks durchschaut und Schnapsideen also solche entblösst).
Jedes Mal, wenn wir das Kriterium «gefälliger Stil», «umgängliche Formulierung» über Sachkompetenz, Redlichkeit oder demokratische Legitimation stellen, verlagern wir die Macht weg von der offenen Auseinandersetzung hin zur Vorzensur durch sozialen Ausschluss. Und genau das ist der Kern der modernen Zensur: Man muss gar nichts mehr verbieten. Man hofft darauf, dass der «Fehlbare» aus lauter Schikane auf Spur gebracht werden kann. Wer will schon «Mohrenkopf» sagen, wenn er zur Strafe kein Bankkonto mehr eröffnen kann, wer will sich gegen Parkplatzabbau einsetzen, wenn er zur Strafe nicht mehr Bus fahren darf?
Es reicht also, wenn genug Leute signalisieren: Mit diesem Menschen reden wir nicht – schon gar nicht auf Augenhöhe. Wir wählen ihn ganz sicher nicht in diese oder jene Kommission. Wir legen ihm möglichst viele Steine in den Weg, bis es ihm dann hoffentlich verleidet.
Fachlich einlesen ins Thema kann man sich z.B. mit (engl.) America's New Censors, oder noch etwas formaler mit Censoring political opposition online: Who does it and why.
Klar ist, dass es sich nicht um einen Bagatellfall handelt, und auch «Wahl-Eklat» trifft es nicht. Es wurde ein ganz starkes Signal gesendet: Die moralischen Übermenschen wollen jetzt auch in Aarau aufräumen — politische Erpressung und moderne Zensur sind im Aarauer Stadtparlament angekommen.
Nicht nur keine gute Enwicklung für Aarau, sondern eine brandgefährliche. Man darf ruhig festhalten, welches politische Lager hier am Ast der Demokratie sägt: Moralisch überlegene Einwohnerräte aus den Parteien GLP (weder grün noch liberal, aber das ist ein anderes Thema), SP, Grüne, Pro Aarau und EVP. Sprecher dieser illustren Schar war Alexander Umbricht, der gerne mit Zitaten unterwegs ist. Hier ein Zitat, das zum Thema passt und sogar noch Ausbildungscharakter hat:
All censorships exist to
prevent anyone from challenging current conceptions
and existing institutions. All progress is initiated
by challenging current conceptions, and executed by
supplanting existing institutions. Consequently,
the first condition of progress is the removal of
censorship.
Quelle: George Bernard Shaw, “The Author’s Apology” (1902) to Mrs. Warren’s Profession (1894)
Kurzfassung: Es geht erst dann vorwärts, wenn Zensur abgeschafft ist!
Die Geschichte ist übrigens voller Beispiele, wohin die Reise geht, wenn offene politische Auseinandersetzung durch persönliche Stigmatisierung und moralische Empörung ersetzt werden: Die späte Römische Republik vor 2'000 Jahren, die Weimarer Republik in den 30er Jahren, oder die DDR in den 80er Jahren, sie alle haben aus genau diesem Grund nicht überdauert. Es wäre sehr überraschend, wenn Deutschland mit den «Brandmauern» oder die EU mit ihren moralisierenden Sanktionen gegen unbescholtene Bürger überdauern würden (Jacques Baud ist nur einer von mehr als 5'000 Personen, die von der EU ohne jede Anklage und ohne Gerichtsurteil abgestraft werden — die EU hat die Maschinerie der modernen Zensur perfektioniert, und so ist es natürlich auch kein Zufall, dass gerade in den Reihen der Linken fast nur Befürworter des EU Unterwerfungsvertrags zu finden Sind. Nach einem Anschluss an die EU wäre es sehr viel einfach, unbequeme Stimmen auch in der Schweiz zum Schweigen zu bringen. Man kann übrigens im EU Sanction Tracker rumstöbern (ich bin noch nicht drin), aber es empfiehlt sich die Verwendung eines guten VPNs, weil man sonst evtl. selber auf einer solchen Liste landet...).
Zum Schluss gibt es aber von der ersten Einwohnerratssitzung in der Legislaturperiode 2026-2029 auch Positives zu berichten: Sehr gefreut hat mich, dass schlussendlich drei Personen aus dem linken Block den moralisch überlegenen «Vordenkern» nicht gefolgt sind. Diese drei «Abweichler» sind die wahren Helden der ersten Einwohnerratssitzung im 2026.
