17 Hüte — wirklich gut für Aarau?

01.09.2026@11:15
viele Hüte

Der Aarauer Stadtpräsident ist gleichzeitg Präsident der Ortsbürgergemeinde, Präsident der AVW im Grossen Rat, Präsident des Schweizerischen Städteverbands, Vizepräsident im VR der Eniwa usw. Ist es tatsächlich möglich, mit diesem «Ämter-Sammelsurium» Entscheide «im langfristigen Interesse der Stadt Aarau» zu fällen?

Ein Amt ist keine Dekoration, sondern ein Auftrag mit Richtung. Bei mehreren Ämtern sind Interessenkonflikte programmiert. Wer gleichzeitig Verkäufer, Käufer, Vermittler, Verhandler für Kanton, Einwohner- und Ortsbürgergemeinde ist, der vertritt nicht automatisch «die Interessen von Aarau».

Wieviele Hüte passen auf den Kopf?

Hilfiker ist seit 2018 Stadtpräsident. In Aarau ist das Amt bewusst doppelt gebaut: Wer das Amt innehat, der präsidiert die Einwohnergemeinde und die Ortsbürgergemeinde. Hilfiker sitzt aber wow gleichzeitig seit 2023 im Grossen Rat und seit Januar 2025 ist er Präsident der Kommission für allgemeine Verwaltung (AVW). Genau diese Kommission bereitet für den Kanton die Liegenschaften-Transaktionen Telli/Zelgli vor. Hilfiker sitzt bei diesem Netto-Landverkauf (die Stadt Aarau soll an bester Lage netto fast 10'000 m2 an den Kanton Aargau verkaufen) also auf beiden Seiten des Verhandlungstischs, als «Verkäufer» für Aarau und gleichzeitig als «Käufer» für den Kanton Aargau. Wer hier kein Problem sieht, der ist auf mehr als einem Auge blind...

Interessenkonflikte gibt es auch mit dem Amt bei der Eniwa: Die Stadt hält rund 95 Prozent der Aktien, Hilfiker ist Vizepräsident des Verwaltungsrats. Eniwa ist nicht irgendein Stadtwerk. Sie steuert Energie, Wasser, Flächen und Standortentscheide. Wer Stadtpräsident und Eniwa-Vizepräsident in einer Person ist, trifft auch hier nicht selten Entscheide mit grossem Potential für Interessenkonflikte. Wir Aarauer hätten gerne eine sichere und zuverlässige Stromversorgung zu günstigen Preisen, aus Sicht Eniwa (Monopolversorger) zählt vor allem die Marge. Auch die Thematik «Mitteldamm» zeigt wunderbar, welchen Preis die Stadt Aarau für diesen Interessenkonflikt zahlt: rund 4 Millionen Franken pro Jahr.

Schaden seit dem 1.1.2025
Fr. 

Schaden seit dem 1.1.2020
Fr. 

Mandate Dr. Hanspeter Hilfiker – offizielle Offenlegung Grosser Rat

Quelle: Ratsprofil Grosser Rat Aargau, AdrId 5863811, Stand 2026. Berufsangabe dort: «Dr. oec. HSG Stadtpräsident».

Ebene Mandat Funktion Interessenrichtung
Stadt Aarau Stadtrat Einwohnergemeinde Präsident / Stadtpräsident Steuerzahler, Wohnqualität, Finanzen Stadt
Stadt Aarau Stadtrat Ortsbürgergemeinde Präsident / Ressortinhaber Ortsbürgergut Vermögen, Land, Baurechte der Ortsbürger
Stadt Aarau Ortsbürgerkommission / Liegenschaftsstrategiekommission Präsident Strategie Ortsbürgerland
Stadt Aarau PK der Stadt Aarau Präsident Stiftungsrat Pensionskasse, Anlagen, Rendite
Region Regionalplanungsverband Aarau Regio Präsident Agglomeration, nicht nur Stadtgebiet
Region Forst Region Aarau Präsident Wald, Flächennutzung Region
Region Gemeindeammännervereinigung Kanton Aargau Vizepräsident Gemeinden kantonsweit
Region Verein AareLand Vorstandsmitglied (bis 2026 Präsident) Aarau–Olten–Zofingen
Region Regionales Betreibungsamt Delegierter Interkommunaler Vollzug
Kanton Grosser Rat Aargau Mitglied seit 14.03.2023 Kantonales Gesamtinteresse
Kanton Kommission AVW Präsident seit 07.01.2025 Gemeinden, Personal, Informatik, kantonale Immobilien – und Landgeschäfte Kanton/Stadt
Bund / Städte Schweizerischer Städteverband Präsident seit 28.08.2025 Lobby aller Schweizer Städte gegen Bund und Kantone
Energie / AG Eniwa Holding AG Vizepräsident VR (seit 2018, bestätigt bis GV 2027) Unternehmenswert, Energie, Flächen, Dividende an Mehrheitseignerin Stadt
Stiftung Hans-und-Lina-Blattner-Stiftung Stiftungsrat Stiftungszweck, nicht Stadtpolitik
Stiftung Standortförderung Aarau und Region Stiftungsrat Ansiedlung, Standortmarketing
Institution Zentrum für Demokratie Aarau Gesellschafterversammlung, Vertreter Stadt Hochschule / Kanton / Stadt
Privatwirtschaft Areal Wohnbau AG, Cham ZG Verwaltungsratspräsident Überbauungen, Kauf/Verkauf/Verwaltung von Liegenschaften – ausserhalb Aarau, im Immobilienmarkt

17 offiziell deklarierte Mandate! Nicht nur Zeit und Aufmerksamkeit eines Menschen sind endlich, problematisch ist bei dieser Anhäufung von Ämtern vor allem die Verantwortungsdiffusion!

Warum diese Pyramide strukturell blockiert

Ein Interessenkonflikt entsteht, wenn eine Person gegensätzliche Treuepflichten hat. Hilfiker schuldet der Einwohnergemeinde günstigen Schulraum und Lebensqualität. Derselbe Hilfiker schuldet der Ortsbürgergemeinde möglichst hohe Baurechtserträge und den Erhalt des Ortsbürgervermögens. Derselbe Hilfiker sollte sowohl für den Kanton (NKSA) als auch für die Stadt (Zelglischulhaus) Landreserven halten/beschaffen. Welcher Auftrag ist nun wichtiger? Derjenige vom Kanton oder derjenige der Stadt? Auch im VR der Eniwa stellt sich die Frage, ob er der Eniwa unternehmerische Optimierung schuldet, obwohl er sich als Stadtpräsident auch für den Erhalt eines einmaligen Naherholungsgebiets — den Aarauer Mitteldamm — einsetzen müsste.

Die Interessen des Kantons sind in vielen Bereichen nicht deckungsgleich (und zum Teil sogar diametral verschieden) von den Interessen der Stadt Aarau, und auch die Eniwa hat häufig ganz andere Interessen als die Stadt Aarau. Das ist kein Vorwurf an Hilfiker, sondern eine nüchterne Betrachtung der Tatsachen. Es ist ein unmöglicher Spagat, bei Transaktionen zwischen Stadt und Kanton für den Kanton das Beste herauszuholen, ohne der Stadt das Optimum vorzuenthalten. Ebenso blauäugig ist es anzunehmen, dass für die Orts­bürger­gemeinde alles gut sei, was gut ist für die Ein­wohner­gemeinde.

Diese Unvereinbarkeit der vielen Ämter zeigt sich natürlich auch im Alltag:

Beispiel 1 – Mammut-Schule

Der ursprüngliche Plan war brutal klar: Die Kreisschule Aarau Buchs (KSAB) bestellt ein einziges Oberstufenzentrum in der Telli, 54 Abteilungen in der ersten Etappe, später 66. Eine Mammut-Schule. Dafür brauchte es Land der Ortsbürger und Land des Kantons. Im Zelgli ist die Einwohnergemeinde Besitzerin, und so sass Hilfiker auf allen drei Stühlen am Verhandlungstisch.

  • 13. November 2023: Die Ortsbürgerversammlung lehnt den Landabtausch Telli–Zelgli–OSA mit 319 zu 134 Stimmen ab. Hilfiker führt die Versammlung als Stadtpräsident und Ressortinhaber Ortsbürgergemeinde. Er ist Antragsteller und Versammlungsleiter in einem. Nach der Schlappe sagt er, man sei «auf die Areale in der Telli in irgendeiner Weise angewiesen» – der finanzielle Teil der Transaktion war offensichtlich zum Nachteil der Ortsbürger strukturiert (hier nachgerechnet).
  • 2024/25: Aus der Mammut-Schule wird der Schlungg «36 Abteilungen Telli plus 18 Zelgli» (obwohl der Einwohnerrat ganz klar den Auftrag erteilte, Varianten mit zwei gleichwertigen Standorten zu entwickeln). Der Standort Schachen soll aufgegeben werden. Hilfiker präsentiert den Variantenentscheid persönlich.
  • 8. März 2026: Einwohnergemeinde und Ortsbürger stimmen über Vereinbarung Nr. 2 und Baurecht Parzelle 849 ab. Während die Einwohnergemeinde zustimmt, lehnt die Ortsbürgergemeinde den Baurechtsvertrag bei einer Stimmbeteiligung von 75% ab.
  • Das gleiche Geschäft läuft auch in die Kommission AVW, deren Präsident Hilfiker ist. Ende August 2026 erklärt genau diese Kommission den Vorvertrag einstimmig für gut – Referent im Rat: Dr. Hanspeter Hilfiker.
Telli / Zelgli – Verhandlung unter Freunden: ein Kopf, drei Hüte, ein Deal Wer den Deal in Aarau aushandelt, ihn den Ortsbürgern mehrmals vorlegt, ihn im Einwohnerrat durchdrückt und ihn danach als Kommissionspräsident im Kantonsparlament «unabhängig» vorberät, der bewegt sich auf dünnem Eis, wenn er behauptet, für Aarau das Beste herausgeholt zu haben.

Die Interessen laufen nachweislich auseinander. Der Kanton will das Hallenbad loswerden. Die Ortsbürger wollten 2023 keinen Tausch, der ihr Land in der Telli für eine überdimensionierte Schule bindet, und sie lehnten den einseitigen Baurechtsvertrag Telli auch am 8. März 2026 ab. Die Einwohnergemeinde stimmte im Sinne der Kreisschule Aarau Buchs (die dann allerdings vom Aarauer Stadtrat kurz darauf an die Wand gefahren wurde). Der Kanton will den Mittelschulstandort Aarau langfristig sichern und folgt dem Leitsatz «Eigentum vor Miete» (hat aber aktuell weder Bedarf noch Pläne für einen Ausbau des Kanti-Standorts Aarau). Hilfiker muss allen diesen Wünschen gerecht werden. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit, und die Hauptleidtragenden sind die Ortsbürger, die am 16. November 2026 nun zum vierten Mal über den gleichen Sachverhalt abstimmen müssen.

Grosse Interessenkonflikte sind bei Landkäufen/-verkäufen überall dort erkennbar, wo die Interessen des Kantons («eigene neue Bauten nur auf eigenem Land»), der Stadt Aarau (Immobilienstrategie: «Die Stadt verkauft grundätzlich kein Land.») und der Ortsbürgergemeinde nicht perfekt aligniert sind. Es ist schlicht unmöglich, dass eine einzige Person die Interessen aller drei Parteien optimal vertreten kann. Sinvoll wäre es, bei einer solchen Konstellation in den Ausstand zu treten, und zwar unabhängig davon, was das Gesetz vorschreibt.

Beispiel 2 – Mega-ARA Salamatt / Lähe (2025–2026)

Fünf Abwasserverbände wollen rund 30 Gemeinden und über 125'000 Einwohnerwerte in einer einzigen Anlage in Aarau-Rohr bündeln. Standort: Lähe/Salenmatt, Kulturland, Auenschutz, Grundwasser, Wohnquartier Siebenmatt. Offizielle Kostenspanne: 250 bis 300 Millionen, Gegner nennen weit höhere Lebenszykluskosten (weitere Infos auf www.nein-ara-salamatt.ch). Inbetriebnahme geplant 2038.

Für den Kanton und die 29 anderen Gemeinden ist der Deal bequem: Eine moderne Gross-ARA am leistungsfähigen Vorfluter Aare, weniger eigene Standorte, «regional abgestimmt». Für Aarau ist er das Gegenteil: sechs Hektaren Landschaft, Risiko für Grundwasser und Auen, Dauerbaustelle, Image als Entsorgungshof der Region. Der Stadtrat – mit Hilfiker an der Spitze – hat den Standort «Lähe/Salenmatt» zur Weiterverfolgung freigegeben. Die Anhörung zur Richtplananpassung läuft 2026. Der Grosse Rat soll Ende 2026 entscheiden.

ein schlechter Deal für Aarau Rohr Was für 29 Gemeinden im Kanton AG einfach und bequem ist, das ist eine Katastrophe für Aarau Rohr!

Und wieder dieselbe Person: Stadtpräsident, der den Standort mitträgt. Grossrat und AVW-Präsident, der kantonale Raum- und Verwaltungsgeschäfte vorberät. Vizepräsident der Gemeindeammännervereinigung, die Gemeinden kantonsweit vertritt. Regionalplanungspräsident. Städteverbandspräsident, der «Städte als Träger regionaler Infrastruktur» verkauft.

Wenn Hilfiker sagt, 17 Standorte seien geprüft und Salamatt sei «fachlich und technisch am zweckmässigsten», spricht er als Teil der Projektlogik. Er spricht nicht als Anwalt des Quartiers Rohr. Er kann es auch nicht. Es ist schlicht unmöglich, gleichzeitig die Region, den Kanton, die Stadt und dann auch noch ein Quartier (in dem man nicht einmal wohnt!) zu repräsentieren.

Beispiel 3 – Eniwa: die stille zweite Stadtregierung

2018 tritt Hilfiker in den Eniwa-Verwaltungsrat ein, heute ist er Vizepräsident. Die Stadt bleibt Mehrheitsaktionärin (95%), der Einwohnerrat verliert den direkten Durchgriff. Kritik daran ist alt und berechtigt: Über Energie, Wasser, Arealränder und Standortentscheide entscheidet ein Verwaltungsrat, in dem die Aarauer Stadtvertreter in der Minderheit sind – und einer davon heisst Hilfiker.

2021, ehemaliger Hauptsitz der IBA/Eniwa (heute Bezirksgericht Aarau): Der Kanton will eine Liegenschaft. Der Eniwa-VR schreibt, das Gebäude sei «aus strategischen Überlegungen nicht verkäuflich». Unterschrift: VR-Präsident Beat Huber und Vizepräsident Hanspeter Hilfiker. Derselbe Hilfiker ist Stadtpräsident der Mehrheitseignerin. Derselbe Kanton sitzt später mit Hilfiker in Landabtauschverhandlungen (Telli/Zelgli). Eniwa gibt dem Kanton ab 2025 ein Vorkaufsrecht – ein Kompromiss zwischen Konzernstrategie, Stadtinteresse und Kantonsbedarf, geschlossen von einem Mann, der in allen drei Rollen vorkommt. Natürlich gibt es gute Kompromisse, aber die meisten Einwohner Aaraus hätte ich gerne das Optimum für Aarau.

Eniwa-Flächen, Aarelandschaft, Energiepreise, Dividenden an die Stadtkasse: Jede dieser Grössen kann der anderen widersprechen. Eine höhere Dividende entlastet das strukturelle Defizit der Stadt (Budget 2026: rund 20 Millionen Verlust aus dem Betrieb). Dieselbe Dividende kann bedeuten, dass Eniwa teurer investiert, teurer produziert, teurer verrechnet oder Flächen aggressiver verwertet. Hilfiker sitzt auf der Ertrags- und auf der Tarifseite. Wieso wird so etwas toleriert?

Weitere belegte Konfliktknoten

2016–2018
Keba-Debakel, Suhr. Hilfiker war verantwortlicher Vertreter der Keba AG. Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau büsste ihn 2018 per Strafbefehl wegen Widerhandlung gegen das Baugesetz (2'000 Franken). Auslöser: Öffnungszeiten und baurechtliche Zusagen nach der Volksabstimmung. Hilfiker akzeptierte die Busse, beklagte aber fehlende «Gesamtwürdigung». Thema: Sportinfrastruktur, die Aarau versprochen und rechtlich nicht sauber gehalten hat. Art des Konflikts: politische Zusage versus Baurecht; Stadtpräsident als Organ einer Betreibergesellschaft.
2020
Stadion / Brügglifeld. Hilfiker trieb ein Stadionprojekt mit Wohnhochhäusern voran. Interessen: FC Aarau, Investoren, Ortsbürgerland, städtische Planung, Wohnmarkt. Art des Konflikts: Stadtentwicklung als Dealraum, in dem Opposition persönlich teuer werden kann.
2021
Ehemaliger IBA-/Eniwa-Hauptsitz — jetzt Bezirksgericht Hilfiker unterzeichnet als Eniwa-Vizepräsident die Unverkäuflichkeit eines Gebäudes, das der Kanton will. Art des Konflikts: Konzernstrategie gegen kantonales Raumbedürfnis. Als Stadtpräsident hätte sich Hilfiker übrigens auch dafür einsetzen können, dass die Eniwa ihren Hauptsitz weiterhin in der Stadt Aarau behält, statt ihn in die Nachbarsgemeinde Buchs zu verlegen.
2023
Ortsbürger-Nein zum Landabtausch. 319:134 gegen Hilfikers Vorlage. Art des Konflikts: Einwohnergemeinde (Schulraum) gegen Ortsbürgergemeinde (Land/Baurecht), Vorsitz und Antrag in einer Person.
2023–2026
Arealabtausch Telli/Zelgli plus AVW-Präsidium. Verhandler in Aarau, Berichterstatter im Kanton. Art des Konflikts: Selbstkontrolle. Die Medienmitteilung des Kantons vom 26.8.2026 («AVW spricht sich klar für Arealabtausch aus») ist die institutionalisierte Form dieses Kreises.
2024–2026
Rössligut / Sportanlagen Alte Kantonsschule. Hilfiker interpelliert im Grossen Rat, weil der Kanton keine zweite Dreifachhalle will; die Stadt findet das «schade». Gleichzeitig verhandelt dieselbe Stadt mit dem Kanton über Zelgli und Telli. Art des Konflikts: Sport- und Schulflächen als Tauschmasse zwischen Stadt und Kanton, mit Hilfiker auf beiden Seiten der Korrespondenz.
2025–2026
ARA Salamatt. Stadtrat gibt Standort frei, Region und Kanton profitieren, Rohr trägt. Art des Konflikts: kantonales/regionales Entsorgungsinteresse gegen städtisches Wohn- und Landschaftsinteresse.
seit 2020
Areal Wohnbau AG, Cham. Hilfiker ist VR-Präsident einer Zuger Gesellschaft, deren Zweck Überbauungen, Kauf, Verkauf und Verwaltung von Liegenschaften ist. Gleichzeitig steuert er in Aarau Raumentwicklung, Ortsbürgerland und städtische Arealprojekte. Art des Konflikts: privates Immobilienmandat neben öffentlicher Bodenpolitik. Selbst wenn kein einziges Aarauer Grundstück in dieser AG liegt: Die Logik des Geschäfts – verdichten, verwerten, Rendite – sitzt im selben Kopf wie die Logik des Stadtpräsidenten.

«FDP-Filz» ist kein Schimpfwort, sondern eine Organigramm-Beschreibung

In Aarau ist die FDP nicht einfach eine Partei. Sie ist Betriebssystem. Stadtpräsident: FDP. Vize-Stadtpräsidentin seit 2025: Suzanne Marclay-Merz, FDP. Neues Stadtratsmitglied Bildung: Nina Suma, FDP. Damit sind drei von insgesamt sieben Mitgliedern des Aarauer Stadtrats Mitglieder der FDP (weitere drei Mitglieder werden von der SP gestellt, und auch die Grünen sind mit einem Sitz vertreten). Im Grossen Rat sitzt Hilfiker in der FDP-Fraktion, die ihn 2024 als AVW-Präsidenten nominiert hat. Der Schweizerische Städteverband SSV wählt seit Jahren FDP-Stadtpräsidenten an die Spitze; 2025 folgt Hilfiker auf Anders Stokholm. Eniwa-VR: bürgerlich geprägt, Stadtvertreter Hilfiker. Gemeindeammännervereinigung: Hilfiker Vize.

Filz heisst, dass dieselben Leute dieselben Geschäfte in wechselnden Rollen weiterreichen, bis niemand mehr sagen kann, wo der Auftrag der Stadt aufhört und der Auftrag des Kantons, der Eniwa oder der Ortsbürger beginnt. Genau das ist hier der Fall. Wer widerspricht, gilt schnell als «gegen Aarau». Dabei ist das Gegenteil wahr: Es wäre der Transparenz dienlich und für das langfristige Wohl Aaraus förderlich, wenn man genau wüsste, wer in welcher Rolle welche Entscheide fällt. In vielen Gremien gibt es wohldefinierte Ausstandsregeln (um Interessenkonflikte zu vermeiden). Und viele Menschen treten freiwillig in den Ausstand, wenn Interessenkonflikte bestehen. Andere wissen die Unschärfen bewusst zu nutzen.

Gut für Aarau? Oder doch nicht?

Auch hier gilt: Es kommt halt darauf an. Wer benachteiligt wird, der sieht die Probleme eher als jemand, der vom Resultat solcher Interessenkonflikte profitiert. Unehrlich ist es zu behaupten, Interessenkonflikte seien unproblematisch.

Hilfiker kann an einem Tag erklären, eine Transaktion sei von Vorteil für den Kanton, am nächsten behauptet er, die gleiche Transaktion sei im Interesse der Stadt Aarau, und anschliessend verkauft er die gleiche Transaktion auch noch den Ortsbürgern als einmalig. Nicht immer ist klar, wer schlussendlich profitiert oder benachteiligt wird, aber gerade als Ortsbürger muss man genau hinschauen und nachrechnen, weil man sonst über den Tisch gezogen wird.

«Welche der vielen Treuepflichten hat heute gewonnen?» Diese Frage ist nicht immer einfach zu beantworten. Klar ist, dass mit einer langen Liste von Mandaten Interessenkonflikte entstehen. In diesem Sinne:

Ein Hut ist ein Auftrag. Zuviele Hüte sind ein Problem. Auch wenn das nicht alle so sehen wollen.



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